Wie war das mit der Informationsfreiheit, Anonymous?


Malibu Aircraft; 2011-12-26

Wer immer sich von nun an Anonymous nennt, identifiziert sich auch mit der jüngsten Attacke auf Stratfor. Stratfor ist nicht, wie von tagesschau und anderen Medien behauptet, eine amerikanische “Sicherheitsfirma”, sondern eine Internetseite, die Analysen zu einer Vielzahl international relevanter Themen bietet. Jeder, dem es das Geld wert ist, kann sich dort anmelden und alle Analysen empfangen oder, gegen Angabe der E-Mail-Adresse, wöchentlich zwei Berichte, die von zahlenden Mitglieder als besonders lesenswert empfohlen wurden, gratis lesen. Die Kosten sind auch nicht höher als ein Zeitungsabonnement.
Begriffe wie “Schatten-CIA” sind dabei ein kaum zu begreifender Blödsinn. Die Analysen, die ich dort in der Vergangenheit gelesen habe, folgten Stratfors Motto: Wir sagen, wie die Situation unserer Meinung nach aussieht und wie sie sich entwickeln könnte, aber wir sagen nicht, wie sie sein SOLL, heißt: Wir bewerten nicht. Unter den vielen Medienoutlets hat sich Stratfor zu Recht den Ruf einer agendafreien und unabhängigen Organisation erkämpft.
Ob die Attacke etwas zu tun hatte mit der Tatsache, dass Stratfor als eine der wenigen westlichen Medien über den Kampf einer Anonymous-Gruppe gegen das mexikanische Drogenkartell Los Zetas berichtete, ist mir unklar. Stratfor berichtete in diesem Zusammenhang nicht unbedingt negativ über Anonymous, aber warnte auch vor den Gefahren, die in Los Zetas’ Brutalität und eigenen Hackerressourcen lägen.
Ein Punkt, den Stratfor hier erwähnte, ist auch jetzt wieder relevant. Anonymous ist keine koheränte Organisation sondern ein loser Verband von Hackern. Jeder kann sich Anonymous nennen. Wenn in den Startfor-Berichten Kritik durchklang, dann insofern, als dass Anonymous einzelne Mitglieder, die von Los Zetas identifiziert werden, nicht schützen kann und dass das Veröffentlichen von Informationen zu unüberschaubaren Folgen und auch zu Morden an Unschuldigen im komplexen Drogenkrieg Mexikos führen könnte.
Auch jetzt schreibt “Anonymous”, dass die, die unter Anonymous’ Flagge Stratfor angegriffen haben, gar nicht zu Anonymous gehören und Anonymus in Verruf bringen wollen. Aber das ist eben das Problem, wenn man sich Anonymous nennt. Man erklärt sich Teil einer Gruppe, die auch einem selbst gegenüber völlig anonym ist. Und die nun verantwortlich ist für eine Attacke auf das, was manchen dort so wichtig war: Transparenz und Informationsfreiheit.

Hitchslap


Malibu Aircraft; 2011-12-23

Einer meiner Lieblingsclips (nur Audio) des letzte Woche verstorbenen Christopher Hitchens:

Lasst sie reden


Sims Alabim; 2011-11-22

Um nach langer Zeit einfach Mal wieder irgendwas von mir zu geben, hier ein kurzer Gedanke zum Thema NPD-Verbot.

Irgendwie ein Thema, bei dem man nicht so recht weiß, wie man sich als “guter Demokrat” fühlen soll. Das Verbot einer Partei, egal welcher politischen Richtung, riecht immer ein wenig nach Zensur, nach einer ersten Verzweiflungstat der Mächtigen, die einem wachsenden Unmut nicht Herr werden und deshalb keine Stimme geben wollen, nach einem ersten Schritt in Richtung Faschismus. Gleichzeitig propagieren manche Parteien eben Faschismus, und diesem Gedankengut will man ja auch keine Plattform geben.

Wirklich nicht? Was ist mit dieser Plattform?

Wenn wir die Wahl haben, der NPD entweder die Möglichkeit zu geben, sich in politisch radikalen Kreisen zu Märtyrern ihrer verlorenen Heimat zu stilisieren, oder die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit eben dieser Heimat lächerlich zu machen und als ihrer eigenen Sprache nicht gewachsen bloßzustellen, sollten wir uns dann nicht für Letzteres entscheiden?

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Limericks rule


Malibu Aircraft; 2011-10-22

There once was a nympho named Jill
who tried dynamite for a thrill.
They found her vagina
in North Carolina
and bits of her tits in Brazil.

There was a young vampire named Mable
whose periods always were stable.
So every full moon
she took out a spoon
and drank herself under the table.

Ein dreifacher:

There were two young ladies from Birmingham.
Shall I tell you the story concerning ‘em?
They lifted the frock
and diddled the cock
of the bishop as he was confirming ‘em.

Now the bishop was nobody’s fool.
He had been to a large public school.
So he dropped down his britches
and diddled those bitches
with his six-inch episcopal tool.

Said one girl as the bishop withdrew,
“Not bad for a bishop, ’tis true.
But the prick of the vicar
is thicker and quicker
and three inches longer than you!”


Einer meiner besonderen Lieblinge:

There was a young hooker from Kew,
who filled up her pussy with glue,
and said with a grin,
“If they pay to get in,
they can pay to get out of it, too.”

There once was a man from Nantucket,
Whose dick was so long he could suck it.
He said with a grin,
As he wiped off his chin,
If my ear were a cunt I would fuck it!

There once was a man from Kent
Whose tool was so long it bent
to save himself trouble
he folded it double
and instead of coming he went

Leider weiß ich bei allen bisherigen nicht den Autor, aber die letzten beiden sind von W. H. Auden:

As poets have mournfully sung,
Death takes the innocent young,
The rolling in money,
The screamingly funny
And those who are very well hung.

The Bishop elect of Hong Kong
Had a dong that was twelve inches long
And he thought that the waiters
Were admiring his gaiters
When he went to the loo. He was wrong.

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Empfehlung


Malibu Aircraft; 2011-09-29

Am 24.09. haben Thomas Jäkel und Marco Brüders [shameless plug] mit denen ich in der Improgruppe Changeroos spiele [/shameless plug] für ihre auch sonst rundum empfehlenswerte Seite Impro-News.de ein Interview mit dem Godfather of Impro, dem großartigen Keith Johnstone geführt. Ein Muss für jeden, der an Impro interessiert ist, aber auch generell zum Thema Kreativität interessant. Gibt einem als Impro-Spieler jedenfalls einiges zu denken und zum Teil auch ein schlechtes Gewissen.

Ich weiß nicht wirklich, wie ich das beschreiben soll… aber irgendwie ist es brilliant


Malibu Aircraft; 2011-09-26

Categories : Diverses   Kultur   Schmankerln

Aus aktuellem Anlass


Malibu Aircraft; 2011-09-24

Categories : Gesellschaft   Kultur   Schmankerln

Deutsche Konsistenz


Malibu Aircraft; 2011-07-10

Bahrain; Quelle: Wikimedia, Riyaz Ahamed
In der Online-Ausgabe des britischen Guardian erschien gestern ein sehr empfehlenswerter Artikel mit dem Namen “Germany’s contribution to the Arab spring: arms sales”. Er beleuchtet wie das einst linke Mantra “Nie wieder Krieg” zu einer Mainstream-Richtlinie in der deutschen Außenpolitik geworden ist, selbstverständlich nicht im wörtlichen Sinne, sondern nur im Bezug auf eigene militärische Interventionen. Er zeigt auch, dass das aktuelle Beispiel des Panzerdeals mit Saudi-Arabien, kurz nach dem Einmarsch saudischer Truppen in Bahrain zur Niederschlagung dortiger Proteste, sich ebenfalls in ein Grundmuster deutscher Politik einordnet (auch wenn natürlich Zeitpunkt, Ausmaß und die einhergehende Heimlichtuerei eine herausstechende Perfidie darstellen). So erinnert er daran, dass Deutschland nach den USA und Russland nach wie vor der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist.
Doch der Artikel bezeichnet diese beiden Stränge als Widerspruch und eben “etwas heuchlerisch”. Meiner Meinung ist es mehr als das. Deutschland kommt als einer der Supermächte der Welt mit seinen massiven Waffenexporten davon, ohne bisher in der Weltöffentlichkeit als allzu kriegstreiberisch angesehen zu werden (z.B. im Vergleich zu den USA oder Großbritannien), gerade weil es sich mit Berufung auf die eigene Geschichte aus internationalen Militäreinsätzen immer mehr heraushält. Würde es sich diesbezüglich ähnlich engagieren wie Großbritannien würde es im öffentlichen Auge noch wesentlich schlechter dastehen als das Vereinigte Königreich, da dann auch schmutzige Geschäfte wie der Saudi-Deal international noch mehr in den Blick fallen würden.
Es erscheint insofern auch weniger schizophren, sondern vielmehr systematisch, dass Militäreinsätze vom Bundestag abgesegnet werden müssen, während Waffendeals in fast absoluter Geheimhaltung vom Wirtschaftsministerium oder Bundessicherheitsrat beschlossen werden. Ähnlich systematisch wie die Tatsache, dass die zunehmend “pazifistische” Außenpolitik Deutschlands der letzten fünf bis sechs Jahren mit einer Erhöhung der Rüstungsexporte um mehr als 100 Prozent im selben Zeitraum einhergeht.
Auch wenn die Beweggründe für den 200-Panzer-Vertrag sicherlich vornehmlich wirtschaftlicher Natur sind, sollte man aber natürlich auch auf mögliche politische Rechtfertigungsversuche eingehen.
Im mehrheitlich schiitischen Bahrain, dessen Königshaus jedoch sunnitisch ist, findet seit langem eine kaum verhohlene Diskriminierung der Schiiten statt. So sind diese laut Welt z.B. trotz 70 Prozent Bevölkerungsanteil mit nur 2 Prozent in den Sicherheitskräften vertreten. Die Proteste, die momentan stattfinden, gehen vor allem von Schiiten aus und die Wut und Kompromisslosigkeit ist entsprechend hoch.
Es ist nicht klar, wieviel die schiitische Führung des Iran mit den Protesten zu tun hat, aber Israels Zustimmung zum Panzervertrag dürfte vor allem mit Blick auf den großen Nachbarn von Bahrain auf der anderen Seite des persischen Golfs geschehen sein. Es ist zu befürchten, dass Irans Einfluss im Nahen Osten in der Zukunft stark zunehmen wird. Die USA will bis Ende dieses Jahres ihre Truppen aus dem Irak abziehen, was Teheran noch mehr Einfluss dort ermöglichen wird, Khamenei und seine Handlanger haben bisher recht erfolgreich Proteste im eigenen Land niedergeschlagen ohne wie in vielen arabischen Staaten zumindest symbolische Zugeständnisse an die Demonstranten machen zu müssen, die generell instabile Situation in der Region erlaubt dem Iran auf zahlreichen Wegen sympathisierende Gruppen noch mehr als bisher zu unterstützen und das Thema Nuklearwaffen ist auch noch lange nicht vom Tisch.
Saudi-Arabien ist der direkte Konkurrent Irans und wenn Bahrains Königshaus zu Gunsten einer Iran-freundlichen Regierung fällt, haben die Saudis womöglich nicht nur einen wichtigen Handelspartner verloren und müssten eine Destabilisierung der eigenen angrenzenden schiitischen Gebiete befürchten, sie hätten auch einen unberechenbaren militärischen Faktor direkt vor der Haustür.
Die westliche Taktik scheint also zu sein, sich öffentlich auf die Seite der Demonstranten in Saudi-Arabien und Bahrain zu stellen, aber in Wahrheit den alten Verbündeten zu unterstützen. Sicher, man könnte auch gut argumentieren, dass die täglichen Öl-Importe, ohne die der Westen aufgeschmissen wäre, die Herrscher in Riad mehr unterstützt als 200 Panzer. Aber das eine rechtfertigt natürlich nicht das andere und während man das Ölabnehmen irgendwie als Notwendigkeit hinbiegen kann, sind derartige Waffenexporte eine unüberhörbare “Keep going, you’re doing great!”-Botschaft.
Die Ungerechtigkeiten, die in Saudi-Arabien und in Bahrain geschehen, und die Brutalität mit der jeder Protest erstickt wird sind zudem so groß und die Ausdauer des arabischen Frühlings-Sommers so phänomenal, dass es nicht nur aus moralischen, sondern auch aus pragmatischen Gründen mehr Sinn macht, Flagge für die Protestbewegungen zu beziehen und zu hoffen, dass die Menschen, nachdem sie ihre alten Fesseln abgeschüttelt haben, sich keine neuen von den iranischen Machthabern anlegen lassen.
Deutschlands Rolle in all dem ist selbstverständlich doppelzüngig, heuchlerisch und verlogen, aber sie ist nicht in sich widersprüchlich, sondern in alter Tradition systematisch.

Nachrichten aus der Stratosphäre


Sims Alabim; 2011-05-27

1. Das Zentralkomitee zur Erschaffung einer besseren Welt hat heute den Bau von Luftschlössern angeordnet. Diese sollen in einer Höhe von 5.000 Meilen über dem Meer mit den warmen Winden ziehen. Für die Dauer seines Aufenthaltes wird dort für Niemanden mehr Zeit vergehen, als ein Sommertag. Einzige Voraussetzung sie zu erreichen ist die Fähigkeit, aus eigener Kraft Fliegen zu können. Einziger Grund, sie wieder zu verlassen, ist der Wunsch, erwachsen zu werden.

2. Das Zentralkomitee zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität hat heute den ersten Lufthafen eröffnet. Mit Seilbahnen, Gondeln oder Luftschiffen ist es von nun an jedem Menschen möglich, die Luftschlösser zu besuchen. Melden auch Sie sich an für Ihren Sommertag in der Ewigkeit! Es gibt keinen Grund,  diese Attraktion zu versäumen! Es empfiehlt sich allerdings, sich zur Erhaltung der allgemeinen Produktivität nicht länger als einen Tag im Jahr dort aufzuhalten.

3. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen hat die Luftschlösser zu Reservaten erklärt. Dort werden unsere Kunst- und Kulturschätze die nächsten Tausend Jahre unbeschadet überdauern. Das Betreten der Luftschlösser für Erdenbürger sowie das Verlassen der Luftschlösser für alle, die der Profession der Gaukelei oder der Weltverbesserung nachgehen oder zum alten Adel gehören, ist bei Todesstrafe verboten. Es gibt keinen Grund, sich dem Verbot der Grauen Eminenzen zu widersetzen.

4. Die Bewohner der Luftschlösser haben heute den Grauen Eminenzen den Krieg erklärt. In Ermangelung eines Zentralkomitees hat jeder Luftschlossbewohner seine eigene Kriegserklärung formuliert. Die 5.000 Kriegserklärungen werden dem Zentralkomitee der Grauen Eminenzen im Verlaufe des Winters vermittels Eulen und Brieftauben zugestellt.

5. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen hat heute die Zerstörung der Luftschlösser angeordnet. Die Flotte der Zerstörer ist bereit unterwegs. Wer sich im Verlauf der nächsten Tage unter einem solchen Luftschloss aufhält, tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr und ohne jeglichen Versicherungsschutz.

6. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen ist heute von den Trümmern eines herabstürzenden Luftschlosses erschlagen worden. Wie es weitergeht, ist ungewiss.

Auf Teufel komm raus


Sims Alabim; 2011-05-15

Aus mehrfach aktuellem Anlass erlaube ich mir ganz dreist an dieser Stelle alle Leser (und Autoren!) dieses Blogs auf den spannenden Dokumentarfilm “Auf Teufel komm raus” aufmerksam zu machen. Ich sage das nicht (nur), weil die Regisseurinnen gute Freunde von mir sind: Diesen Film sollte man sich anschauen!

Zu sehen im Monopol in München,  im fsk-Kino in Berlin, in der Filmpalette in Köln, im Mal Seh´n in Frankfurt und im Apollo in Aachen. Und vermutlich nicht länger als Ende Mai. Also sputet Euch!