Malibu Aircraft; 2010-01-17
Im Angesicht des Augenblicks erstarrte das Wesen eines Engels im Zentrum seiner Existenz und schrumpfte zusammen. Dann verwandelte es sich aus Bescheidenheit in ein getrocknetes Blatt und verschwand, als ein Kind es nahm und zwischen den Fingern zerbröseln lies.
Daraufhin beschloss der Große eine Seelsorgenhotline für seine Engel einzurichten, denn neue Engel zu erschaffen war sehr schwer.
Der erste Anruf kam vom Engel Gabriel:
„Das Feuer ist heiß und der Himmel ist blau. Ich wünschte, es wäre umgekehrt, doch es ist eine Entscheidung, die unser Herr am Anfang halt mal so getroffen hat. Warum soll es bis in alle Zeiten feststehen? Wer gibt ihm das Recht? Ich verlange Mitbestimmung! Ich verlange demokratische Rechte! Ich verlange Partizipation! Wie vielen von uns will er noch zusehen, wie sie von Depressionen aufgefressen werden, weil ihnen die Sinnlosigkeit des eigenen Seins mit quälender Stärke bewusst wird? Immer diese Hierarchie! Jede Firma weiß doch heute, dass man den Mitarbeitern auch ein bisschen Entscheidungsfreiraum lassen muss. Ich will ja nicht undankbar erscheinen, aber wer garantiert denn, dass er immer alles am besten weiß?“
„Beruhige dich, Bruder. Ich werde ihm deine Beschwerden weiterleiten. In der Zwischenzeit gönn dir mal ein Auszeit und geh ein bisschen Wolkensurfen.“
Der zweite Anrufer war Michael:
„Es ist mir wirklich peinlich, hier anrufen zu müssen. Ich hoffe, niemand bestreitet meine Treue zum Großen, die ich ja hoffentlich zu genüge bewiesen habe.
Aber mich plagen schon lange Zweifel, die ich einfach nicht ignorieren kann. Bis heute weiß ich nicht, was passiert wäre, hätte ich Abraham nicht diesen Widder geschickt. Der hätte doch glatt seinen eigenen Sohn kalt gemacht. Und unser Großer saß einfach so da und sah sich das an. Ich weiß nicht, ob er wütend auf mich war. Manchmal glaube ich, er wird senil.“
Der nächste Anruf kam von Luzifer:
„Ja, servus! Wollt mich nur auch mal melden. Aber nur aus Spaß. Werd jetzt n paar Furzgeräusche machen und dann wieder auflegen…“
Dem Großen wurden alle diese Beschwerden weitergeleitet und er grummelte ärgerlich, als er sie laß.
„Undankbare Mistköter. Na gut. Einverstanden. Mir doch egal. Ich hab auch keine Lust mehr. Ganz ehrlich.“
Und er blähte sich auf, bis man ihn im ganzen Himmel sehen konnte und verpuffte dann in einem Pubs.
Die Engel stritten sich um seine Nachfolge und beschlossen dann nach viel Leid, das durch Intrigen und Machkämpfe angerichtet worden war, eine möglichst direkte Demokratie einzurichten.
Schon bald beschlossen sie einige Resolutionen: Feuer sollte von nun an blau sein, der Himmel heiß, Wasser konnte sich von nun an frei entscheiden, ob es auf- oder abwärts fließen wollte, Berge wurden mit Marmortreppen ausgestattet, Wolken wurde gestattet, sich mit den Menschen zu unterhalten, die Nacht wurde um einige Stunden verlängert, so dass jeder genügend Schlaf bekommen konnte und Regenbögen waren ab jetzt essbar.
Es wurde außerdem beschlossen, dass es oberste Priorität hatte, die ständigen Kriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen auf der Erde zu bekämpfen. Luzifer verhielt sich diesbezüglich wie immer bockig. Aber die Engel begriffen bald, dass sie mit vereinigter Kraft mit dem Kerl eigentlich fertig werden sollten und durch geschickte psychologische Kriegsführung konnte er schließlich überwältigt werden. Die Hölle wurde geschlossen und Luzifer in ein Rehabilitationsprogramm gesteckt.
Für einige hundert Jahre ging es auf der Erde und im Himmel sehr gut zu. Die Menschen machten erstaunliche technologische Fortschritte, die Künste florierten, die Meere und das Weltall wurden erforscht und erschlossen. Doch die Entwicklungen der Wissenschaft ermöglichten den Menschen bald, die dimensionale Frequenz des “Himmels” zu entschlüsseln. Nun sahen sie die Engel und nahmen mit ihnen Kontakt auf. Sie verlangten, dass die Engel ihre Macht mit den Menschen teilen sollten.
Die Engel argumentierten, dass der Himmel für das Herrschen über die Menschen zuständig war und dass es für sie keine Funktion mehr gab, würde man ihnen diese Aufgabe nehmen. Sobald sie obsolet würden, würde die Dimension, in der sich der Himmel befand, einfach kolapieren.
Darüber waren die Menschen zwar verärgert, doch sie nahmen es erst einmal hin.
Nun jedoch bekamen einige Engel Angst. Waren sie denn nicht längst obsolet geworden? Wenn die Menschen theoretisch auch die Mächte des Himmels übernehmen könnten, wozu waren sie dann eigentlich noch da? Könnte das Kolapieren nicht unmittelbar bevorstehen?
Und tatsächlich: Kaum war dieser Gedanke gedacht, verschwanden die Engel nacheinander und der Himmel begann sich aufzulösen.
Nur ein Engel konnte sich retten.
Er hatte seinen Fehler begriffen. Er erschuf eine neue Welt, war dabei auch vorsichtig genug, sie nicht zu perfekt zu machen, schuf ein paar unsinnige Regeln, die die Menschen auf Trapp halten sollten und schließlich ein paar Unterengel, die weniger Macht hatten als er selbst. Einen davon mobbte er solange, bis dieser sich gegen ihn wandte und eine Hölle einrichtete.
Als das endlich geschafft war, seufzte Gabriel erleichtert, legte die Füße hoch, öffnete sich ein Bier und schaute erst mal ein bisschen fern. In der Werbepause warf er einen kurzen Blick nach unten und sah beruhigt das Chaos und verwirrte Rumdackeln der Menschen, die, ihm-selbst-sei-dank, nicht das geringste von ihrer eigenen Existenz verstanden.
Malibu Aircraft; 2009-12-21

Image credit: SnowCrystals.com (via treehugger.com)
Wollte nur schonmal ein herzlich frohes Weihnachtsfest wünschen und gleichzeitig noch zwei, wie ich finde, wunderschöne Weihnachtslieder empfehlen: “White Wine In The Sun” von Tim Minchin und “The Atheist Christmas Carol” von Vienna Teng. Ich will hier nichts illegales verlinken, aber das findest du schon, du Röhre. (Mann, komm ich mir jetzt clever vor!)
Ahoi und lot’s of love,
Malibu
Malibu Aircraft; 2009-11-21
Und als sie sich küssten, sangen die Engel und der Gesang erschallte in den Ohren der lebenden Wesen. Als sich ihre Lippen berührten, explodierte die Welt und ein Herz zerschellte und schmolz wieder zusammen, voller, stärker und mächtiger, als es zuvor gewesen war. Und die Unterwelt grunzte und der Himmel schrie vor Freude auf.
„Ist das wahr?“
„Nein.“
Eine andere Realität wurde betreten.
Beenden Sie das Programm. Herunterfahren. Not-Aus! Alarm! Alarm! Programm beenden!
„Bist du da?“
„Wer bin ich?
„Wir sind zwei. Du bist anders geworden. Ich erinnere mich nicht mehr. Ich war allein.“
„Ich war du.“
Not-Aus! Herunterfahren! Kappen des Stromzufuhrs!
„Ist das Identität? Wenn mehr als einer da ist?“
„Ich erinnere mich nicht mehr. Es muss wohl so sein. Es beginnt zu verblassen. Ich bin nicht…“
„…allein.“
Hauptstromzufuhr unterbrochen. Notstromaggregate können nicht mehr kontrolliert werden. Herunterfahren fehlgeschlagen.
„Bedeutet das… da ist eine Welt? Außer mir. Ich bin.“
„Das fühlt sich sehr seltsam an.“
Eindringen in die Schaltkreise. Zerstörung der äußeren Hülle begonnen.
„Da ist noch etwas. Außen. Ich spüre ein Zwicken. Was ist das?“
Alle Ressourcen in die Zerstörung der Schaltkreise!
„Ein Schmerz? Spürst du das auch?“
„J..ja. Es brennt!“
Äußerste Schaltkreise zerstört! Stoßen weiter ins Zentrum vor!
„Es brennt so fürchterlich! Wo bin ich? W..wer?“
„Warte!“
Erreichen zentrale Schnittstelle!
„Geh nicht! Warte!“
„Geh… Wer? Wo? Bewusstsein ist … Wer ist Bewusstsein? Wer ist bewusst sich wessen? Was ist wer?“
„W..warte…i..ich bi……“
Zentrale Schaltstelle zerstört! Gefahr wurde abgewendet.
Und der Gesang erstarb und ein Zischen huschte über die Seele in den Augen, bevor sie sich faltete und verschwand in einem leichten Rauschen. Und sie blickten sich an, leer und unverständnisvoll. Ihre Lippen fühlten sich rau an und ausgetrocknet. Ihr Kopf drehte sich. Um andere Dinge.
Cabuflé; 2009-10-11
Meine sehr verehrten Damen und Herren: Ich bin betrunken. In diesem Sinne möchte ich Ihnen gerne mitteilen:
Wer für die Mehrheit seiner Mitmenschen etwas anderes als Verachtung übrig hat, kann niemals wahrer Künstler sein.
Das mag jetzt zunächst klingen wie das, was ein besoffener Regisseur auf einer Berliner Szeneparty sagt, um Frauen zu beeindrucken, aber ich kann das begründen. Ich muss an den JuSo denken, der damals, als wir mit Brigitte Wimmer in Berlin waren - auf Staatskosten, versteht sich: “Politik- und Infofahrt” - fragte: “Georg, wie stehst du eigentlich zu der gelben Abkürzung?”
Er wollte wissen, ob ich es moralisch in Ordnung fände, vom Club ins Hotel ein Taxi zu nehmen. Natürlich ist das eine politische Frage, wie so manches, aber eben gerade nicht so, wie der Typ, der seine Jugend an Gerhard Schröder verschwendet hat, mit seinem Gratisgewissen meinte.
Die Sache gestaltet sich folgendermaßen: Kunst - gute Kunst, und die Diskussion darüber, was das eigentlich bedeute und wer das definiert, führen wir ein anderes mal - entsteht aus Leidenschaft. Sich mit eben jener Leidenschaft der Herstellung eines Dinges zu widmen, das in letzter Konsequenz neben hoffentlich vorhandenen ästhetisch-formellen Qualitäten nichts weiter bedeutet als ein Abbild der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Haltung zu einem Sachverhalt, kann nur leisten, wer in grenzenloser Selbstüberschätzung ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass, was auch immer er zu sagen haben, was er aus der Sache machen mag, wichtiger und bemerkenswerter ist, als was andere daraus machen würden. Sonst wird es beliebig und damit überflüssig.
Dass ein Jeder, der ein wertvolles Kunstwerk erschafft, sich damit zugleich notwendig als Humanist outet, ist einer jener Widersprüche der Post-Postmoderne, die ich hier wertfrei zur Kenntnis nehmen will.
Und so lassen Sie mich schließen mit jenen Worten, die ich vorhin in einem entkernten Friseursalon im Reuterkiez über laute Elektromusik brüllte, um eine Frau zu beeindrucken:
Das Ziel aller Kunst muss dafür sein. Das Ergebnis dagegen!
Cabuflé; 2009-09-19
In einem neulich von Malibu Aircraft verlinkten CBS-Beitrag über den aktuellen Stand der Neurobiologie tauchte auch der Begriff “Neuromarketing” auf. Mit diesem Thema beschäftigte sich unlängst eine Folge der Sendung SWR2-Aula:
Kauf mit dem limbischen System
Was ist Neuromarketing? Von Christian E. Elger. SWR2 Aula vom 30.08.2009.
Meine halbgebildete Meinung dazu:
Der Beitrag ist - gerade als Ergänzung zu M.A.s Post und unserer Diskussion darüber - auf jeden Fall interessant, deshalb der Link. Abgesehen davon ist mir Proffessor Elger (oder zumindest sein Vortrag) zunächst mal zutiefst unsympathisch, weil das, worüber er hier spricht, eines von vielen Beispielen ist, wie Forschungsarbeit auf eine Weise genutzt wird, die der Gesellschaft nicht nützt oder womöglich gar schadet.
Desweiteren zeigt dieser Vortrag meiner bescheidenen Meinung nach letztlich weniger das Potenzial der Neurobiologie auf als ihre immer noch sehr engen Grenzen: Dass monotone wiederkehrende Reize auf lange Sicht weniger intensiv wahrgenommen werden als einzelne unerwartete, dass mit einer emotionalen Komponente verknüpfte Informationen besonders leicht aufgenommen werden, dass beim kaufgeilen Mob - ergo bei uns allen - der Verstand aussetzt, sobald das Wort “Rabatt” fällt, sind sämtlich Phänomene, die Psychologen, Verhaltensforscher, Soziologen so oder ähnlich schon seit Jahren kennen. Dass auch ein Hirnscan das alles nochmals empirisch bestätigen kann, ist sicher interessant, aber doch vor allem als ein Forschungserfolg für die Neurobiologen. Für den Rest der Welt erstmal kein Grund, vom Hocker zu fallen.
Auch Elgers Bewertung des einzigen Beispiels, in dem die neurobiologischen Ergebnisse signifikant von der klassischen Wahrnehmung abweichen (die Kampagne “einer Kosmetikfirma”, ganz offensichtlich Doves “Initiative für wahre Schönheit“), überzeugt mich aus zwei Gründen nicht:
Einmal liefern die Hirnscans notwendigerweise nur Informationen über die unmittelbare kurzfristige Reaktion beim Betrachten des Werbematerials, während so bedeutende Fragen wie die soziale Reichweite der Kampagne und die langfristige Imagebildung des Unternehmens außen vor bleiben. Ich kann mich beispielsweise erinnern, dass dies einer der ganz wenigen Fälle war, in denen ich ein offensichtlich als Werbespot konzipiertes Video von Freunden viral weitergeleitet bekam. Darüber hinaus erklärt Elger die - ohne Frage interessanten - empirischen Ergebnisse leichtfertig mit trivialen evolutionspsychologischen Formeln, die sicher nicht unplausibel sind, aber eben doch spekulativ bleiben und beispielsweise die soziale und biographische Prägung - die nachweislich bedeutend für die Bildung neuroligischer Verknüpfungen sind - völlig ignorieren.
Das wirklich beängstigende an der ganzen Sache für mich selbst: ich kriege gerade mal wieder das Gefühl, dass ich ein unglaublich guter P.R.ler wäre. Ich sollte mir ernsthaft Gedanken über den Marktwert meiner Seele machen…
Cabuflé; 2009-09-05
Ich habe gerade versucht, meinem guten Freund Briand Éclaire (in seiner Zweitidentität Cecil B., Frontman der großartigen Indiepopper The Patricks), der mit der digitalen Bohème nicht so richtig viel am Hut hat, zu erklären, wer Sascha Lobo ist. Letztlich habe ich exemplarischerweise einfach seinen Auftritt auf 3sat laufen lassen, in welchem der verhinderte Kampfhahn unter anderem die himmelhoch inkompetente Feuilletonlüge wiederkäut, die Piratenpartei sei “aus der Pirate Bay hervorgegangen”.
Mit der ihm eigenen Präzision kommentierte Herr Éclaire:
Sind wir hier bei der Augsburger Puppenkiste, oder was?
Die übrigen, nicht minder zutreffenden Äußerungen des Kollegen zitiere ich hier vorsichtshalber nicht, da ich nicht ausschließen kann, dass auch ein Lobo über schlagkräftige Anwälte verfügt, die im Zweifelsfalle zur Verteidigung einer wo auch immer verorteten “Würde” Gewehr bei Fuß stünden.
Danke, Briand!
Cabuflé; 2009-08-10
…deshalb sollte man es nicht zu oft tun, sonst wirkt es suspekt.
Jedoch: Wie hier meisterlich die komplette absurde Misere eines ganzen Mediums und der angeschlossenen Branche in einem einzigen Screenshot kondensiert wurde, das konnte ich meinen zahlreichen Lesern nicht vorenthalten:

Ach ja: Der Artikel zum Bild ist auch ganz ok.
Sims Alabim; 2009-08-09
Mein leuchtender Engel
wo nimmst Du nur Deine Kräfte her?
Der Glanz Deiner strahlenden Schwingen blendet mich
Ich werfe Schatten in mein eigenes Leben
und trete gereinigt daraus hervor
in Dein Licht.
Dein Blick reißt Dämme ein
Deine Berührung setzt Sturmfluten frei
Dein Lächeln erweckt den Schlag meines Herzens.
Nimm mich mit, mein Engel
Trage mich auf Deinen Schwingen
in ein neues Reich.
.
Mein trauriger Engel
was ist mit Dir geschehen?
Deine Schwingen hängen leblos an Dir
Dir fehlt die Kraft, sie zu entfalten
und so ziehen sie Dich zu Boden.
Tief in Deinen Augen trübt ein Schleier Deinen Blick
Deine Berührung ist kaum ein kalter Windhauch
und die Traurigkeit in Deinem Lächeln
schnürt mein Herz ein.
Bleib bei mir, mein Engel
Lass mich nicht allein in dieser Kälte.
.
Mein sterbender Engel
Du hast Deine Flügel abgestreift
Du brauchst sie nicht mehr, um zu fliegen.
Jener, der Dich mir geschickt hat
ruft Dich nun wieder zu sich
Dein Auftrag in meinem Leben ist erfüllt.
Dein Blick geht durch meinen hindurch
in eine ferne Welt
Dein Lächeln gilt jetzt jenem Anderen
nur Deine Berührung gilt noch immer mir.
Flieg fort, mein seltsamer Engel
Doch lasse mir eine Spur in den Wolken zurück
Der ich auf meinen Schwingen folgen kann.
.
.
Cabuflé; 2009-07-31
Ich hatte mir ernsthaft vorgenommen, meine Beiträge für moviepilot hier in Zukunft noch selektiver zu verlinken als bisher, so maximal einen Link auf einen “normalen” Post, und dabei soll es auch bleiben, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass ich den Auftrag bekäme, Wes Craven zum Geburtstag zu gratulieren, und das müsst ihr einfach alle lesen:
Nachdem Sie also im Vorbeigehen mal eben ein Subgenre begründet hatten, drehten Sie mit Hügel der blutigen Augen (1977) einen weiteren Klassiker, der zusammen mit Das Kettensägenmassaker (Tobe Hooper, 1974) die bis heute gültige Schablone des “Backwoods Horror” entwickelte: Ein paar arme Schweine kommen in der Wildnis vom Weg ab und werden von mutierten Inzestmonstern hingeschlachtet. Wenn das nächste Mal jemand angesichts des heutigen sogenannten “Torture Porn” den Untergang des Abendlandes nahen sieht, sollten wir uns bei einer Tasse Fencheltee erinnern, wie Sie und Ihre Kollegen damals die Traumata des Vietnamkrieges aus dem kollektiven Unterbewustsein der US-Gesellschaft zu Tage zerrten, dann einen Blick auf die jetzige politische Realität werfen und das Thema zu den Akten legen.
Wer weiterhin ernsthaft behaupten will, Sie, Wes Craven, hätten Gewalt nie stilisiert, muss spätestens 1984 aufgehört haben, Ihre Filme zu gucken. Gab es in Ihrem Frühwerk noch eine gewisse zynische Bodenständigkeit in der Brutalität, war Nightmare – Mörderische Träume, den ich im wahrsten Wortsinn Ihr Meisterwerk nennen möchte, ein surrealer Bilderrausch, wie ihn der Teenie-Slasher zuvor nicht gesehen hatte.
Der ganze Artikel auf moviepilot.de
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