Die Attacke auf Stratfor (siehe vorheriger Post) markiert spätestens jetzt den Beginn einer Zeit, in der man nicht nur die Augen im Bezug auf staatliche Zensur offen halten sollte. Der Angriff auf einen der besten Nachrichtendienste, der mir bekannt ist (und der nach wie vor einzige für den ich bezahle) beinhaltete die Veröffentlichung von privaten Daten der Kunden (meinen inklusive), sowie das Stehlen von 200 GB an internen E-Mails. Dass deren angekündigte Veröffentlichung bisher ausgeblieben ist, dürfte auch daran liegen, dass die Hacker darin nicht das gefunden haben, was sie sich erhofften. Wie George Friedman, Stratfors Gründer, kürzlich schrieb: “God knows what a hundred employees writing endless emails might say that is embarrassing, stupid or subject to misinterpretation. What will not appear is classified intelligence from corporations or governments. They may find, depending on what they took, that we have sources around the world, as you might expect.”
Besonders krass ist aber, dass vier von Stratfors Servern zerstört wurden. Friedman dazu: “The hackers published a triumphant note on our homepage saying that credit card information had been stolen, that a large amount of email had been taken, and that four of our servers had been effectively destroyed along with data and backups. We had expected they would announce the credit card theft. We were dismayed that emails had been taken. But our shock was at the destruction of our servers. This attack was clearly designed to silence us by destroying our records and the website, unlike most attacks by such groups.”
Wenn Staaten zensieren, hat man zumindest einen Adressaten für die eigene Wut und es gibt Dinge, die man tun kann. Wenn Hacker, die sich hinter Masken verstecken, in einem Akt der Heuchelei der kaum zu überbieten ist, die Informationsfreiheit zerstören, die sie behaupten zu beschützen, dann fällt mir wenig ein, was man dagegen tun könnte. Und das zeichnet ein dunkles Bild für die Zukunft des Internets.
Vor kurzem wurde ich auf der Straße angesprochen mit dem ach so cleveren Satz „Bist du intelligent oder glaubst du noch an den Euro?“. Clever genug für mich, denn mir fiel in dem Moment nichts besseres ein als „Beides“, was faktisch nicht der Wahrheit entspricht. (Möglicherweise in doppelter Hinsicht.)
Aber der Typ vor dem Stand, dessen Schilder vor einen Krieg der tyrannischen USA gegen die herzensgute iranische Regierung warnten, war mir einfach zu unsympathisch, um auch nur in einem Punkt mit ihm übereinzustimmen. Leider war ich zu unterkühlt und hungrig, um sinnvoll auf sein Brabbeln bezüglich der amerikanischen Verantwortung für die Eurokrise zu reagieren. Ich nahm es nur unwesentlich kohärenter war, als der lautstarke Vortrag eines verwirrten Mannes in der U-Bahn, ebenfalls vor kurzem, der vor einer Verschwörung Frankreichs mit Syrien und ägyptischen Nasseristen warnte, die „wüssten“ wer er sei. Besonders beeindruckend war, wie er vor und zurück durch die ganze Bahn lief, mit zivilisierten Pausen zwischen seinen Informationsversuchen, fast als müsste er ganz sichergehen, dass wirklich jeder seine wichtige Mitteilung gehört hatte. Dabei schien er weniger aggressiv, als mehr besorgt ob der naiven Unwissenheit seiner Mitmenschen.
Aber zurück zu dem Idioten an dem USA-Iran-Stand (der wohl auch zu einer neuen Partei gehörte). Ich verabschiedete mich schließlich viel zu freundlich mit einem halbherzigen „Vergiss die Illuminaten nicht.“. Ich hätte ihn fragen sollen, ob ich ein Bild machen darf, um mich auf unserem Blog über ihn lustig zu machen. Meine spontanen Fähigkeiten in solchen Situationen vertragen definitiv noch Verbesserung.
Es stimmt natürlich, dass das Platzen der Immobilienblase 2008 den Anstoß zur Eurokrise gegeben hat, aber Blasenplatzen wie 2008 findet immer wieder statt. Eine wachsende Wirtschaft sucht Möglichkeiten zum Anlegen und Investieren, da mehr Geld frei wird. Preise steigen, Zinsen sinken und alle denken das geht ewig so weiter, bis schließlich genug Leute merken, wie absurd das eigentlich grade ist und verkaufen. Dann gibt es Panik und alles bricht zusammen. Das ist auch seit dem 2. Weltkrieg schon mehrere Male passiert, z.B. in den 70ern als alle in Schuldbriefe von 3. Welt-Ländern, die wegen der dortigen Mineralien als sicher angesehen wurden, investierten. Damals, genau wie kurz vor der Savings-and-Loan-Krise in den 80ern, dachten die meisten der „Wert“ geht immer weiter rauf.
Es ist also nicht so, dass man 2008 überhaupt nicht hätte voraussehen können oder dass daran etwas völlig Grundlegendes neu war. Außerdem hat ja auch niemand europäische Investoren dazu gezwungen, ihr Geld in amerikanische Immobilien-Papiere zu stecken. (Und damit durch den Währungsunterschied sogar noch größere Risiken einzugehen.)
Wozu 2008 geführt hat, ist dass einige verdammt grundlegende Probleme des europäischen Wirtschaftsraums an die Oberfläche kamen. Das sind mehr als ich hier aufzählen könnte oder auch nur vollständig verstehen würde, aber zwei die häufig erwähnt werden, sind: Länder der europäischen Peripherie wie Griechenland konnten durch ihre Assoziation mit Wirtschaftsmächten wie Deutschland und Frankreich billige Kredite bekommen, wo dann halt nur das Zurückzahlen schwierig wurde. Und der zweite Punkt, der meiner Meinung nach viel wichtiger ist: Deutschland überschwemmt seit langem wirtschaftlich schwächere, europäische Länder mit Exporten, ohne dass diese sich selbst etablieren können (wie dies für Deutschland relativ geschützt in den 50ern möglich war). Das trägt unter anderem auch zu Schwarzmärkten und Korruption bei, weil dies der einzige Weg wird, abseits deutscher Produkte noch Profite zu machen.
Aber Deutschland ist auf Exporte angewiesen. Fällt der europäische Absatzmarkt in seiner jetzigen Form weg, wird die Arbeitslosigkeit extrem ansteigen. Das kann sich keine Partei an der Regierung leisten und deswegen werden Deutschland und Russland meiner Meinung nach in der Zukunft sehr enge Verbündete werden. Aber dazu schreib ich dann vielleicht noch mal ausführlich was anderes, sonst hört sich das jetzt nur wie eine inkohärente Verschwörungstheorie an.
Am 24.09. haben Thomas Jäkel und Marco Brüders [shameless plug] mit denen ich in der Improgruppe Changeroos spiele [/shameless plug] für ihre auch sonst rundum empfehlenswerte Seite Impro-News.de ein Interview mit dem Godfather of Impro, dem großartigen Keith Johnstone geführt. Ein Muss für jeden, der an Impro interessiert ist, aber auch generell zum Thema Kreativität interessant. Gibt einem als Impro-Spieler jedenfalls einiges zu denken und zum Teil auch ein schlechtes Gewissen.
Der Moment in dem Jonathan Baumann aufwachte und feststellte, dass er im falschen Programm war, hätte ganz einfach verdrängt werden können oder abgetan als ein besonders realistischer Traum, nicht zu unterscheiden von der Wirklichkeit, außer eben durch die Tatsache, dass es einfach nicht sein Leben war in dem er aufwachte.
Nur es war kein Traum. Und Jonathan Baumann wusste dies in dem Moment, in dem er die Augen öffnete, nicht in seiner kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin Neukölln, sondern in einem geräumigen, hell erleuchteten Apartment auf einem geradezu gigantisch großen Bett, das frei im Raum schwebte und das, nachdem es ihn freundlich flüsternd gefragt hatte, sich langsam auf dem Boden absetzte. Neben ihm schlief zu seiner Rechten eine nackte Schönheit mit feuerroten Haaren, die ihr bis zum Po reichten, und eine nicht minder umwerfende dunkelhäutige junge Frau mit stachelartig abstehenden schwarzen Haaren zu seiner Linken. In diesem Moment wusste Jonathan ohne den geringsten Zweifel, dass dies die Realität war und sein bisheriges Leben eine Fälschung.
Jonathan Baumann kroch aus dem Bett, in dem die beiden Nymphen ruhig weiterschliefen, und das sich wieder zum Schweben erhob, nachdem er es verlassen hatte. Ein kleiner Roboter mit einem kugelförmigen Körper und einem knubbelartigen Kopf kam herbeigesaust und fragte ihn freundlich und unterwürfig, ob er sich wünsche, ein Bad zu nehmen, was Jonathan bejahte, seine leichte Unsicherheit unterdrückend.
Der Roboter führte ihn in ein hohes Badezimmer in dessen Mitte sich eine runde Wanne befand. Die Wände änderten ihre Form und Textur und bald hatte sich das Zimmer in eine sonnige Lichtung verwandelt in der ein kleiner Wasserfall die Wanne füllte.
Eine weiche weibliche Stimme flüsterte ihm zu und fragte, ob er ein wenig Unterhaltung wünsche. Gleich darauf huschten in weiße Tücher gekleidete Schönheiten vor ihm herum und formierten sich zu einem herrlichen Tanz, anmutig, dann kraftvoll, dann artistisch beeindruckend, dann umwerfend durch die Ehrlichkeit, die im körperlichen Ausdruck lag.
Nach seinem Bad brachte ihm der Roboter seinen Anzug und führte ihn zur Haustür, vor der ein motorradartiges Gerät bereitstand. Er setzte sich und ihm selben Moment umfing ihn ein flüssiges Material. Er bemerkte schnell, dass er die Form des Geräts durch seine Gedanken steuern konnte und verwandelte sich in einen großen metallenen Vogel, der sich mit mächtigen Schwingen in die Höhe stieß. Er lebte wohl am Rand einer Stadt, denn unter ihm war weite Natur und für ein paar Minuten nahm er die Form einer Rakete an und raste durch Schluchten, tauchte in Flüsse ein und durchstieß Wolkenfelder.
Sein Gefährt erinnerte ihn nun daran, dass er bald zur Arbeit müsse und ein Signal zeigte ihm die Richtung an. Er flog zu einem Hochhaus, das mitten in der futuristischen Stadt lag, in welcher Kraftfelder wie unsichtbare Airbacks die zahlreichen fliegenden Objekte vorm Zusammenstoßen bewahrten. Er landete auf dem Dach und verließ sein Fluggerät. (Ein entsprechender Gedanke genügte, damit die seltsame Maschine sich in den Ausgangszustand zurück versetzte und seinen Körper aus der innigen Umarmung entließ.)
Jonathan betrat das Innere des Gebäudes und wurde sofort von einer schwebende Luftblase umhüllt. Die Blase begrüßte ihn mit seinem Namen und brachte ihn zu einer Andockstation, einige Meter weiter unten, während sie eine leichte Melodie säuselte.
Eine weitere Tür öffnete sich vor ihm und er kam in einen langen Raum mit einem ebenso langen Tisch an welchem zahlreiche Männer und Frauen in Anzügen saßen, während Hologramme auf dem Tisch wie Notebooks vor den Sitzenden flimmerten.
Am Kopf des Tisches, ihm am nächsten, stand ein hoher, schmaler Herr mit einer weiß umrahmten Brille und einem großen, perfekt weißem Gebiss und genauso weißen, zurück gekämmten Haaren.
Dieser drehte sich zu ihm um und sagte so laut, dass seine Stimme den Raum füllte als käme sie aus gleichmäßig verteilten Lautsprechern: „Da bist du ja, Jonathan! Lass uns gleich anfangen. Wie du weißt bist du heute hier, um uns zu beweisen, dass du keine Fälschung bist…“
1. Das Zentralkomitee zur Erschaffung einer besseren Welt hat heute den Bau von Luftschlössern angeordnet. Diese sollen in einer Höhe von 5.000 Meilen über dem Meer mit den warmen Winden ziehen. Für die Dauer seines Aufenthaltes wird dort für Niemanden mehr Zeit vergehen, als ein Sommertag. Einzige Voraussetzung sie zu erreichen ist die Fähigkeit, aus eigener Kraft Fliegen zu können. Einziger Grund, sie wieder zu verlassen, ist der Wunsch, erwachsen zu werden.
2. Das Zentralkomitee zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität hat heute den ersten Lufthafen eröffnet. Mit Seilbahnen, Gondeln oder Luftschiffen ist es von nun an jedem Menschen möglich, die Luftschlösser zu besuchen. Melden auch Sie sich an für Ihren Sommertag in der Ewigkeit! Es gibt keinen Grund, diese Attraktion zu versäumen! Es empfiehlt sich allerdings, sich zur Erhaltung der allgemeinen Produktivität nicht länger als einen Tag im Jahr dort aufzuhalten.
3. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen hat die Luftschlösser zuReservaten erklärt. Dort werden unsere Kunst- und Kulturschätze die nächsten Tausend Jahre unbeschadet überdauern. Das Betreten der Luftschlösser für Erdenbürger sowie das Verlassen der Luftschlösser für alle, die der Profession der Gaukelei oder der Weltverbesserung nachgehen oder zum alten Adel gehören, ist bei Todesstrafe verboten. Es gibt keinen Grund, sich dem Verbot der Grauen Eminenzen zu widersetzen.
4. Die Bewohner der Luftschlösser haben heute den Grauen Eminenzen den Krieg erklärt. In Ermangelung eines Zentralkomitees hat jeder Luftschlossbewohner seine eigene Kriegserklärung formuliert. Die 5.000 Kriegserklärungen werden dem Zentralkomitee der Grauen Eminenzen im Verlaufe des Winters vermittels Eulen und Brieftauben zugestellt.
5. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen hat heute die Zerstörung der Luftschlösser angeordnet. Die Flotte der Zerstörer ist bereit unterwegs. Wer sich im Verlauf der nächsten Tage unter einem solchen Luftschloss aufhält, tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr und ohne jeglichen Versicherungsschutz.
6. Das Zentralkomitee der Grauen Eminenzen ist heute von den Trümmern eines herabstürzenden Luftschlosses erschlagen worden. Wie es weitergeht, ist ungewiss.
Aus mehrfach aktuellem Anlass erlaube ich mir ganz dreist an dieser Stelle alle Leser (und Autoren!) dieses Blogs auf den spannenden Dokumentarfilm “Auf Teufel komm raus” aufmerksam zu machen. Ich sage das nicht (nur), weil die Regisseurinnen gute Freunde von mir sind: Diesen Film sollte man sich anschauen!
Zu sehen im Monopol in München, im fsk-Kino in Berlin, in der Filmpalette in Köln, im Mal Seh´n in Frankfurt und im Apollo in Aachen. Und vermutlich nicht länger als Ende Mai. Also sputet Euch!
Als ich vor kurzem die Anne Will-Sendung „Bin Ladens Liquidierung - darf man sich darüber freuen?“ schauen wollte, wusste ich ungefähr, was mich erwartet. Anne Will – Das ist Wutfernsehen in perfecto. So eine typische Show, die man sich nur anschaut, um sich aufzuregen, weil man es genießt, sich aufzuregen. Und genau das war mir klar und deswegen sollte ich mich nicht beschweren. Ich schaute aber tatsächlich nur die ersten zehn Minuten, in denen nichts anderes geschah, als Folgendes:
Die Anwesenden sind sich darüber einig, dass sie „erleichtert“ waren, als sie die Neuigkeit gehört haben, dass es aber unerhört und dumm von Merkel ist, zu sagen: „Ich habe mich gefreut.“ Die logische Folgerung: Es ist vollkommen absurd und geradezu bösartig, sich zu freuen, wenn man Erleichterung verspürt. (Und wenn man Kanzlerin ist, nach der unwidersprochenen Meinung eines durchgeknallten Richters, möglicherweise gegen das Gesetz.)
Wenn ich an Momente in meinem Leben denke, in denen ich erleichtert war, dann folgte dieser Erleichterung in der Regel auch eine Art Freude. Vielleicht hätte Merkel es spezifizieren müssen:
„Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin erleichtert über Bin Ladens Tod, aber ich verspüre keine explizite Freude. Es ist mehr die Sorte von Erleichterung, die ich auch nach einem richtig ordentlich Schiss verspüre. Man fühlt sich leichter, aber Freude wäre zuviel gesagt. Verstehen Sie, was ich meine?“
Ganz abgesehen davon, dass man theoretisch auch trotz Freude an der Legitimität des Einsatzes zweifeln kann (und dass ich nicht dachte, dass ich mal Merkel verteidigen muss), ist die Korinthenkackerei um ein subjektives Emotionswort fast noch absurder, als die Tatsache, dass es mittlerweile also unerhört ist, beim Tod eines Massenmörders allzu angenehme Gefühle zu haben.
Wie gesagt: Das bedeutet nicht mal, dass es nicht besser gewesen wäre, ihn zu verhaften. Damit kommen wir zum zweiten Punkt:
Ja, es wäre meiner Meinung nach besser gewesen, ihn zu verhaften, auch wenn bzw. gerade weil das folgende Gerichtsverfahren schwer gewesen wäre. Und auch, obwohl es ohne Frage zu grausamen Freipressungsversuchen geführt hätte und zu Anschlägen, welche die, scheinbar nicht an Brutalität zu überbietenden, Racheaktionen in Pakistan auf Dauer wahrscheinlich noch überboten hätten.
Aber warum gehen alle mit dieser Selbstverständlichkeit davon aus, dass es sich um eine geplante Exekution handelte? Nicht dass ich das Gegenteil beweisen könnte, aber ich kann nachvollziehen, warum Soldaten keinerlei unnötige Risiken eingehen wollen in einem völlig unbekannten Gebäude, in dem überall Sprengfallen sein könnten, in dem sich Osama nach den ersten Schusswechseln locker eine dieser „besonderen Westen“ hätte anziehen können und in dem sogar ein „Self-Destruct-Button“ sich nicht so absurd und unlogisch angehört hätte, wie normalerweise. Ich habe auch kein Problem damit zu glauben, dass Bin Laden lieber gestorben wäre, als sich gefangen nehmen zu lassen und sich entsprechend verhalten hat.
Ein gefangener Bin Laden wäre besser gewesen, als ein toter, aber ein toter ist besser als ein freier.
Du gehst aus dem Haus. Wolltest eigentlich in den Park, zum Lesen. Du holst dein Fahrrad aus dem Keller, schließt die Tür auf - und da liegt sie. Die Welt. Zu deinen Füßen. Einfach so.
Das dumme Drecksvieh ist also verreckt und deshalb muss ich, während ich in der pervers teuren Karstadt-Kantine etwas zu mampfen versuche, was höchstens der Optik nach Essen ist, mir vom Nebentisch anhören, wie tragisch es ist, dass der Arme leblos in seinem Wassertank trieb. Und ja, ich muss, Dummheit hat die Eigenschaft unüberhörbar zu sein.
Aber “zum Glück” (<- Zitat!) wird der nutzlose Kadaver jetzt obduziert, um herauszufinden, warum unser Berliner Eisbär, den wir so sehr geliebt haben, abgekratzt ist. Die Antwort ist natürlich scheißegal, könnte aber zum Beispiel lauten: Vielleicht weil es keine Berliner Eisbären gibt, vielleicht weil ein Eisbär tendenziell, ganz allgemein gesagt, Eislandschaft einer mitteleuropäischen Großstadt vorziehen würde. Vielleicht auch nicht.
Jedenfalls ist das einzige bedauerliche daran, dass man keine Show mehr machen kann, in der Millionäre Geld bieten, um Knut live erschießen zu dürfen. Das Theater wär schnell vorbei gewesen und die Einnahmen hätten das schmutzige Geld derjenigen ersetzt, die in den Zoo gegangen sind, um Knut zu sehen.
Aber vielleicht finden wir ja noch heraus, dass er sich selbst die Luftröhre aufgekratzt hat, weil er das ganze Geschrei nicht mehr ertragen hat. Vielleicht geht er dann als moderner Kurt Cobain in die Geschichte ein.
Vielleicht können wir mit seiner Leiche auch Gaddafis Palast zermatschen oder ein Loch in Fukushima stopfen. Ich bin sicher, er hätte das unterstützt. Wer will schon gerne eine sinnlose Existenz führen.