Malibu Aircraft; 2010-06-05
Eine dunkle Wolke hebt sich über das Land. Ein Land der Freiheit ist es, mit grünen Hügeln und prächtigen Bäumen an die sich saftige, farbenfrohe Früchten klammern, fett und schwer und kurz davor zu fallen. Doch über die Idylle zieht nun besagte Wolke in deren Innern ein Sturm tobt, ein Sturm, welcher sich ausgedacht wurde von einem Mann.
Dieser Mann saß nur wenige Stunden zuvor in seinem Labor, das hoch in einem steinernen Turm lag. Er dachte über sein Leben nach, die Entscheidungen, die er bisher getroffen oder die für ihn getroffen worden waren, von anderen Menschen oder von den Umständen oder von Kräften, die außerhalb seiner Wahrnehmung lagen. Und als er über sein Leben nachdachte, überkam ihn eine große Wut. Er tauchte ein in alternative Realitäten, parallele, wenn auch nur vorgestellte, Universen, in welchen er ein großer Feldherr, ein Entdecker oder ein begnadeter Liebhaber war. Dann sah er sich im Spiegel und seine Augen nahmen einen erschreckenden Glanz an.
Ich fürchtete mich sehr vor ihm, in diesem Moment. Mein Name ist Gerlinde Maserati Uterus und ich bin des Forschers Kanarienvogel. Wie konnte ich wissen, an was er alles dachte? Nun, der Herr spricht sehr gerne, was er denkt, was die Situation nicht gerade weniger beängstigend macht. In dem ehrlichen Versuch den Herrn zu beruhigen zeigte ich mein gelb-weißes Federnkleid von allen Seiten und sang. Ja, meine Stimme ist wirklich mein Stolz. Die Menschen haben uns Kanarienvögel zu wahren Gesangsdiven gezüchtet, während sie bei ihren anderen Domestizierungsprojekten nur auf das Äußere schauten. Doch die Generationen daraufhin ausgerichteter Zucht nützten diesmal nichts. Es schien sogar, als zöge ich in genau dem falschen Augenblick seine Aufmerksamkeit auf mich.
Mit wütendem Blick und einem Selbstgespräch, dass ich mittlerweile nicht mehr verstand, da es sich in ein bösartiges Grummeln und Zischen verwandelt hatte, kam er auf meinen Käfig zu. Er öffnete die Tür und griff in meine kleine Welt, umschlang mich mit seinen dürren Fingern und trug mich herüber zu seiner neuesten Kreation, einer Maschine in runder Blechform mit zahlreichen bunten Lichtern. Ja, der Herr hatte schon immer eine Vorliebe für Klischees gehabt, wenn es um Design ging.
Er öffnete eine kleine Metalltür und warf mich in das dunkle Loch. Ich wusste nicht wo ich war. Es war sehr eng hier, ich flatterte wild herum, aber stieß mich ständig und gab das Geflatter schließlich auf. In den letzten Monaten hatte der Herr immer wieder an dieser Maschine gearbeitet, aber ich wusste nicht, worum es sich bei ihr handelte. Normalerweise bekam ich immer mit, woran er arbeitete, wegen seinen exzessiven Selbstgesprächen, doch immer wenn er an ihr herumhantiert hatte, konnte ich nur ein leises Kichern vernehmen und immer wieder waren mir auch die kurzen Blicke aufgefallen, die er mir zugeworfen hatte, gefolgt von einem noch deutlicherem Kichern und einem schelmischen Händereiben. Ich hatte diese Blicke bisher als Einbildung abgetan, was hätte ich auch tun können in meinem Käfig, außer wahnsinnig zu werden, hätte ich geahnt, was auf mich zukommen würde.
Als ich nun in der engen Kammer saß, hörte ich verschiedene Stimmen, die sofort in vielen blechernen Echos wiederhallten und das auf so eine Weise, dass es mir unmöglich war, festzustellen wo sie ursprünglich herkamen. Sie redeten allesamt wirres Zeug, erzählten vom Wetter, dann weinten sie, dann lachten sie wie Bekloppte, dann flüsterten sie verführerisch, dann hielten sie ernste Vorträge über philosophische Themen und so weiter. Es schienen mir aber alles Monologe zu sein, ich konnte jedenfalls nicht erkennen, dass sie sich im gegenseitigen Kontakt befanden.
Was konnte ich tun? Natürlich nur das einzige was ich überhaupt tun konnte, nämlich zu singen wie eine Blöde. Ich gab mein Bestes, legte eine Hitnummer nach der anderen hin, wechselte von stürmischer Stimmakrobatik zu sanfter Ballade und verlor mich ganz in meiner eigenen Grandiosität. Und dann, nach einer Weile, als mir die Melodien müheloser, aber genauso virtuos, aus dem Schnabel glitten, bemerkte ich, dass die Stimmen fast ganz aufgehört hatten. Nur ab und zu vernahm ich ein beeindrucktes Flüstern oder eine leises Mitsummen. Ich sang noch ein bisschen weiter und hörte dann auf, um mich ein bisschen zu schonen, schließlich wusste ich nicht, wie lange ich hier noch bleiben müsste.
Doch kaum hatte ich geendet, begannen einige Stimmen mich zu loben und beeindruckt Worte zu verlieren. Ja, ich hörte sogar frohes Schniefen und tränengetränkte Laute. Doch etwas anderes erstaunte mich. Die Stimmen schienen nun in Kontakt zu treten und aufeinander zu reagieren. Hatten sie sich bis eben nur auf sich selbst konzentriert und waren völlig in sich selbst versunken, dann hatte die Fokusverschiebung nun womöglich dazu gedient sie auch aufeinander aufmerksam zu machen. Ich hörte frohe Grüße, Austausche über alle möglichen, oberflächlichen wie tiefgründigen, Themen.
Dieses Geplapper schien mir zuerst um einiges angenehmer, als die ungerichteten, selbstverliebten Monologe von eben. Doch nun kamen mehr und mehr neue Stimmen dazu, die sich in die Gespräche einbringen wollten und die offensichtlich von dem aufregenden Trubel angezogen worden waren.
Ich erkannte auf einmal eine ältere, weibliche Stimme. Es war die Stimme der Mutter des Herrn, die ihn, in all meiner Zeit im Turm, nur einmal besucht hatte. Ich hörte noch eine weitere bekannte Stimme, es war die eines Mädchens, das fast jeden Dienstag am Turm vorbeiging und sang, jedes Mal verträumt beobachtet vom Herrn. Und da war der Geldgeber, der Schreihals, von dem mein Herr abhängig war und der in regelmäßigen Abständen vorbeikam, um die Arbeit zu kontrollieren.
Doch bald schwoll dieses Gerede so an, dass es kaum noch möglich war, einzelne Personen herauszuhören und es wurde, der Masse wegen, auch immer unerträglicher. Ich setzte wieder zum Singen an, doch mein graziöser Gesang ging völlig unter, denn das ganze hatte mittlerweile eine Lautstärke erreicht, die ich unmöglich noch übertönen konnte.
Plötzlich platzte laut dröhnend die Stimme meines Herrn von oben herab und wieder verstummte alles andere:
„Hab ich euch endlich alle beisammen! Adieu und auf nimmerwiedersehen!“
Kaum waren diese Worte gesprochen, brachte die schiere Panik aus. Doch es war zu spät. Ich verspürte einen kräftigen Zug und ich fühlte, wie ich mit all den anderen hinauskatapultiert wurde. Alles wirbelte durcheinander und es dauerte Stunden, bis ich meine Orientierung einigermaßen wiedergewann.
Ich war und bin seitdem in einer Wolke aus Stimmen gefangen, selbst auch nicht mehr als eine der anderen. Ich muss gestehen, ich fühle mich immer leerer. Das schöne Land über das wir fliegen, scheint zu ergrauen, sobald wir näherkommen.
Mein Gesang ist nur noch ein Krächzen. Trotzdem kann ich damit sogar noch ab und zu ein paar der anderen um mich scharren.
Gestern näherten wir uns, gezogen von einem seltsamen Hunger und einer unstillbaren Lust einem jungen Mann, der fröhlich auf dem Weg spazierte. Doch auf einmal schien er etwas zu spüren und beeilte sich, davon zu kommen. Es war so knapp. Fast hätten wir ihn gehabt. Doch unser zunehmender Hunger macht uns schneller. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis unser Durst gestillt wird. Nur eine Frage der Zeit, bis wir uns an jemandem laben können.
Und dann. Dann werde ich auch wieder stark genug sein, um singen zu können.
Und diese Person wird mich hören.
Bald.
Malibu Aircraft; 2010-05-28
Du kannst dich nicht verstecken,
die Welt wird dich entdecken.
Du kannst nicht etwas ausperrn,
kannst dich nicht deiner selbst erwehrn.
Willst du dich nicht vernichten,
willst du dich nicht belügen,
dann versuche nicht zu dichten
und versuche nicht zu lieben.
Solln die Versuche wahrhaft sein?
Das geht,
doch niemals geht es ganz allein.
Du brauchst
die Freunde der Vergangenheit,
Erinnerungen, Lebenszeit,
die Freunde aus dem Hier und Jetzt,
Erleben, das entgegensetzt,
die Freunde aus was-vor-dir-liegt,
noch immer frisch und unbesiegt.
Du brauchst,
was du an dir nicht kennst,
dass du dich nicht in dir verrennst.
Malibu Aircraft; 2010-05-22
Das drehende Element unserer Wahrnehmung ist ein Stück Eigenheit, herausgelöst aus unserer Persönlichkeit, abgeschnitten und uns dann, milde lächelnd, vorgesetzt. Es ist kaum von uns zu erwarten dieses Stückchen wirklich und mit ganzem Herzen ernst zu nehmen, nichtsdestotrotz kommen wir nicht davon los, es ist unsere Brille, unser Fensterchen nach draußen, ohne dass wir das Draußen überhaupt nicht sehen können. Schade, dass wir so gefesselt sind, dass wir nie direkt mit der Welt interagieren werden können und doch ist es nicht ganz so ernst, wissen wir ja sowieso nicht, ob das da draußen, die “Welt”, wirklich die Welt ist oder nicht vielleicht ein anderes Stück unserer selbst, zu früheren Zeiten losgelöst, jetzt fungierend als Metapher, als Filter, als weitere Zwischenebene, eine einzige große verzerrende Brille, die das wahrnimmt, was dahinter liegt, was vielleicht auch gar nicht die Welt selbst ist. Doch warum es so negativ sehen? Wieso “verzerrend”? Vielleicht ja vielmehr “aufbereitend”, die Welt in eine Form bringend, die wir eher verstehen, eher ertragen können.
Es ist das drehende Element unserer Wahrnehmung, das unsere Wahrnehmung ertragbar macht, annehmbar, möglich. Welcher Teil von uns übernimmt diese Eigenschaft? Schwer zu sagen, schwer zu beschreiben. Ist unserer große, mächtige, so hilfsbereite Brille noch immer Teil von uns oder wurde sie bereits Teil des “außen”, Teil dessen, was wir wahrnehmen wollen und sind wir selbst nicht womöglich auch nichts als eine Zwischenebene, eine durchlässige Materie, die etwas ordnet, etwas verzerrt und dann weitergibt nach innen an ein höheres Etwas, von dem wir einst Teil waren oder immer noch sind?
Ist die innere Welt wirklich so subjektiv oder sind wir es, die die Welt verändern und weiterreichen und damit subjektiv machen und ist das äußere, was wir als Welt wahrnehmen wirklich so objektiv oder bereits vielmehr vorbereitet von einem anderen Teil von uns oder von dem, dessen Teil wir ebenfalls sind oder waren?
Also sollen wir ernstnehmen, was innen ist oder was außen ist, was vor- und nachgesetzt ist unserer Wahrnehmung und unseres Verstehens? Wie ernst sollen wir es dann nehmen? Oder sollen wir es kein bisschen ernstnehmen, uns darüber lustig machen, dem an den wir die Wirklichkeit weitergeben, Streiche spielen, wie ja, davon muss man ja schon fast ausgehen, auch mit uns wahrscheinlich bereits Streiche gespielt wurden. Oder liege ich da falsch? Nehmen all die anderen Einheiten, all die anderen Ebenen, die anderen Brillen und aus Fenstern blickenden Figuren ihren Job todernst? Dann wären wir vielleicht doch außergewöhnlich und uns läge die Entscheidung offen, dieses fein konstruierte System zu stören oder uns einzufügen in die Kette zwischen dem was irgendwo vielleicht innen endet und dem da draußen, der fernen oder nahen “Welt”, der unverfälschten, ungefilterten Realität.
Stehen wir inmitten einer Reihe von Komödianten, Spaßvögeln, lustigen Helden oder spießigen, zuverlässigen Arbeiterbienchen? Und welchen Weg sollen wir einschlagen? Durch das Tor der Fantasie oder das Tor, an dessen Ende vielleicht etwas steht, das dem Namen “Wahrheit” würdig ist?
Ist Sinn oder Spaß uns wichtiger? Oder finden wir Sinn im Spaß? Finden wir Spaß am Suchen nach dem Sinn?
Malibu Aircraft; 2010-04-24
Es gibt so Dinge im Leben, die sich nur mit großen Namen wirklich beschreiben lassen. Kafkaeske Gefühle, lyncheske Atmosphären oder South-Park-Humor zum Beispiel. Aber nichts scheint den “Geschichtsrevisionismus”, den Comedy Central betreibt, indem es jetzt auch die neun Jahre alte South-Park-Folge “Super Best Friends” in der Mohammed – was damals noch kein Problem darstellte – zu sehen war, aus dem Netz genommen hat, besser zu beschreiben als “Orwell”. Ganz speziell hat mich das daran erinnert, wie die Gebote an der Scheunenwand in “Farm der Tiere” nachträglich verändert wurden, bis auf einmal nur noch die berühmten Worte: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ dastanden. Verzeihung, immer schon dagestanden haben. Denn wenn man mit Widersprüchen konfrontiert wird, sollte man natürlich nicht die Gegenwart ändern, sondern im Zweifelsfall immer die Vergangenheit.
Falls jemand noch nicht mitbekommen hat, worum’s geht: klick
und klick.
Malibu Aircraft; 2010-04-04
Die Nacht hat ihre Pforten geöffnet. Auf den Straßen glänzt der Regen und die reflektierte Leuchtreklame in den Pfützen sagt dir mehr über deine Zeit und über dich, als du eigentlich wissen willst. Du gehst in einen Club, du trinkst, du tanzt, du lernst jemanden kennen. Ihr geht nach draußen, es ist Vollmond.
Doch jetzt ändert sich die Wirklichkeit mit einem Mal, etwas verändert dich. Du siehst ein Bild, deine neue Bekanntschaft wird haariger, verwandelt sich unter schmerzvollen Zuckungen in ein Biest, ein mörderisches Wesen, einen Werwolf.
Du zwinkerst. Alles ist wieder normal. Die Wirklichkeit ist so wie sie ist und nicht anders.
Ihr geht die Straßen entlang. Der Wind bläst, es tut so gut ihn im Gesicht zu spüren, einen Rest der Wildheit der Natur, die aus dieser Stadt verbannt wurde zugunsten einer anderen Wildheit, einer Wildheit, die niemand versteht.
Du hältst die Hand deiner Bekanntschaft.
„Wäre es nicht schön“, sagst du. „oder erstaunlich oder vielleicht auch erschreckend, jedenfalls aufregend, wenn sich alles ändern würde, die Welt, unsere Leben, von einem Tag auf den anderen.“
Und ihr spielt Szenarien durch, was würde geschehen wenn. Und du erinnerst dich an einen Moment, als du noch ein Kind warst und nach oben in den Nachthimmel geblickt hast und die Sterne gesehen hast und du warst dort. Du warst an diesen anderen Orten, in den fernen Sonnensystemen dieser Sterne, du warst dort, du hast die außerirdischen Wesen gesehen, andere Welten, farbenreich und so spannend, so wunderbar fremd und neu.
Und jetzt schaust du nach oben und ja, es ist schön und ja, es ist einzigartig, die Sterne, der Himmel, der selbe Mond, den die großen Frauen und Männer der Geschichte auch bewundert haben, das ist schon was, das ist schon erstaunlich. Aber du bist eben hier auf der Erde und das wird sich auch nicht ändern.
Aber wenn sich alles ändern würde, von einem Tag auf den anderen, dann wäre alles anders.
Deine Begleitung raucht, ist gut angetrunken, aber vielleicht bist du das ja auch, du bist dir nicht ganz sicher, sie schaut dich an, mit großen Augen, einem freundlichen Grinsen und du lächelst.
Ein Licht umhüllt euch und ihr werdet emporgehoben. Eine tiefe Stimme sagt:
„Ihr wurdet auserwählt. Das Schicksal der Menschheit liegt in euren Händen. Ich werde euch in eine andere Welt schicken, wo ihr zusammen gegen dunkle Mächte kämpfen werdet. Ihr könnt sie klar erkennen, sie tragen Hörner und lachen auf diabolische Weise. Ich werde euch mit erstaunlichen Kräften ausstatten, ihr werdet fliegen können und stark sein und…“
Irgendwo zerbricht eine Flasche, Menschen lachen, das Licht erlischt, die Stimme grummelt noch „Och, hmm, vielleicht auch nicht…“ und löst sich dann auf.
„Hallo.“ sagst du zu der Person, die vor dir steht.
„Hallo.“ sagt sie zurück und die Augen dieser anderen Person lächeln.
Die Person küsst dich und du kannst dir nicht helfen, du weißt nicht warum, aber eine Träne löst sich aus deinem Auge. Die Person küsst die Träne weg.
Ein seltsamer Moment, bevor du sie zu dir einlädst, sie wirkt verlegen, lächelt, lehnt dankend ab, aber gibt dir ihre Nummer, bevor sie in die Dunkelheit verschwindet.
Du verfluchst dich mal wieder und natürlich die Welt, denn die Welt eignet sich nun mal so hervorragend zum Verfluchen, verfluchst diese Träne, verfluchst den Regen, der jetzt wieder einsetzt. Ein bisschen früher und das Weinen des Himmels hätte dein eigenes ertränken können, aber nein; und ein bisschen verfluchst du auch die andere Person, die für einen Moment so getan hatte, als wäre sie keine fremde Person, obwohl sie es natürlich war.
Du bist müde, willst ins Bett, willst schlafen, dich den Träumen ergeben, die bereits knapp am Rande deines Sichtfelds in die Wirklichkeit dringen.
Aber etwas hält dich hier an diesem Ort. An diesem Leben. An dieser Welt. Was wäre, wenn?
Diese Frage. Wenn es die nicht gäbe.
Was wäre dann?
Malibu Aircraft; 2010-04-03
Etty Hillesum schrieb ein paar Tage vor ihrer Deportation nach Auschwitz in ihr Tagebuch:
People sometimes say to me, “Oh, yes, you look on the bright side of everything.” What a platitude! Everything is perfectly good, and at the same time perfectly bad … I have never felt that I had to force myself to see the bright side of things: everything is always perfectly good, just as it is. Every situation, no matter how deplorable, is an absolute and contains good and evil within itself. By this I simply mean that I find the expression “seeing the bright side of everything” just as repugnant as “taking advantage of everything”.
zitiert nach “The Book of Atheist Spirituality” von André Comte-Sponville, S. 184
Malibu Aircraft; 2010-03-12
In manchen Fällen sagen die Fakten schon so viel, dass sich jeder Kommentar erübrigt. Dann wiederum klebt einem die Zunge am Gaumen fest vor Fassungslosigkeit, angesichts der Selbstverständlichkeit mit der manche katholische Geistliche anzunehmen scheinen, dass ihnen die Vergebung, um die sie bitten, gewährt wird. Man entkommt dem Eindruck nicht, dass schon das Eingestehen eines Vergehens, vielleicht gemischt mit ein wenig allein verbrachter Händefaltzeit, Vergebung bedeutet. Nicht dass Vergebung prinzipiell etwas schlechtes ist. Aber es liegt nicht in der Hand des Sündigers, zu entscheiden, wann diese gewährt wird, auch nicht, wenn er glaubt, dass ein übernatürliches Wesen auf seiner Seite ist.
Was einem wirklich den Atem verschlägt, ist die Heuchelei des Oberchefs, dieses furchtbaren Mannes, dessen Grinsen jedem Kind Schrecken einjagen sollte. Man stelle sich vor, wie viel Respekt sich die katholische Gemeinschaft verdienen könnte, wenn sie sich gegen diesen durch die Welt lügenden und heuchelnden Menschen erheben würde.
Zumindest kann man beginnen zu begreifen, was genau Benedikt an den Missbrauchsfällen „tief erschüttert“, wenn man sich folgendes – aus seiner Zeit als Präfekt der „Kongregation für die Glaubenslehre“, die unter anderem für Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche zuständig ist – in Erinnerung ruft:
„Ratzinger’s role in protecting the church against scandal became apparent […]. In May 2001, he sent a confidential letter to every bishop in the Catholic church reminding them of the strict penalties facing those who referred allegations of sexual abuse against priests to outside authorities.
The letter referred to a confidential Vatican document drawn up in 1962 instructing bishops on how to deal with allegations of sexual abuse between a priest and a child arising out of a confessional.
It urged them to investigate such allegations ‘in the most secretive way… restrained by a perpetual silence… and everyone… is to observe the strictest secret which is commonly regarded as a secret of the Holy Office… under the penalty of excommunication’.“
Quelle: Guardian.co.uk
Seine Einstellungen zu Gerechtigkeit und Aufarbeitung wurden auch deutlich, als er angesichts des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Marcial Maciel Degollado sagte, ebenfalls als Präfekt besagter Kongregation: „One can’t put on trial such a close friend of the Pope as Marcial Macielâ€. Aber eigentlich war es ja schon „unerhört“ von Journalisten, ihn überhaupt auf so was anzusprechen.
Im Anblick des Berges an Furchtbarkeiten, den dieser Papst mit sich herumträgt, ist es da so abwegig, auf seine Stürzung durch die vielen moralischen Katholiken zu hoffen? Nur so als Frage…
Nachtrag: Ach ne, sorry, Kommando zurück, daran liegts: Chief exorcist Father Gabriele Amorth says Devil is in the Vatican. Gut, dass das endlich geklärt ist. Meine Fresse…
Malibu Aircraft; 2010-01-21
Im Moment wird unter dem Post „Kreationisten sind doof und stinken“ von Cabuflé eifrig diskutiert. Ich will mich da eigentlich erst mal gar nicht so sehr einmischen, bin aber einfach mal so dreist, mir den in den Kommentaren verlinkten Artikel von Thomas Nagel “Public Education and Intelligent Design” (pdf download) vorzunehmen und dafür einen neuen Post aufzumachen.
Leider muss ich gleich respektvoll bemerken, dass mich die Begeisterung, die für diesen Artikel geäußert wurde, ähh wie soll ich sagen, absolut vollständig und komplett verwirrt.
Meine Meinung dazu ist bedauerlicherweise, dass es sich möglicherweise um einen der schlechtesten Artikel handelt, den ich je gelesen habe. Aber ich könnte mich ja irren und außerdem lernt man ja auch viel dabei, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die einem komplett querlaufen, also will ich das so gut es geht versuchen. Ich entschuldige mich schon im Vorfeld für eventuelle Polemisierungen, Ausfälle und wütende Wortschwälle.
Fangen wir an:
“Most importantly, the campaign of the scientific establishment to rule out intelligent design as beyond discussion because it is not science results in the avoidance of significant questions about the relation between evolutionary theory and religious belief, questions that must be faced in order to understand the theory and evaluate the scientific evidence for it.
It would be unfortunate if the Establishment Clause made it unconstitutional to allude to these questions in a public school biology class, for that would mean that evolutionary theory cannot be taught in an intellectually responsible way.“
(S.188)
Das sind halt so Sätze, bei denen mir ernsthaft übel wird. Mit das Großartigste an der amerikanischen Verfassung ist die Establishment Clause! Lassen wir uns doch nur einmal die Schönheit der selbigen zu Gemüte führen, gleich zusammen mit der Free Exercise Clause: “Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof…â€
Also WTF könnte irgendjemand DAGEGEN haben??
Wenn irgendjemand, sagen wir mal eine Religion, wichtige Beweise für die eigene Theorie vorlegen kann, dann sollten diese selbstverständlich gehört werden. Aber das schreibt Nagel nicht! Er sagt, dass der wissenschaftliche Beweis für die Evolutionstheorie nur bewertet und verstanden werden kann, wenn sie im Zusammenhang des religiösen Glaubens diskutiert wird!
Warum testen wir nicht den wissenschaftlichen Wert von allen Theorien im Zusammenhang mit religiösem Glauben? Ich finde ja, dass die Regeln für Fußball nicht verstanden und ihr Wert nicht beurteilt werden kann, wenn sie nicht unter religiösen Aspekten diskutiert werden. Hallo? Hab ich irgendwas verpasst? Seit wann geht so eine Argumentation als irgendwas anderes als Schwachsinn durch?
Und nicht zu vergessen: Schulkinder müssen wir da selbstverständlich auch noch mit reinziehen!
Aber weiter im Text, wir sind schließlich gerade mal auf der zweiten Seite.
“ID (as I shall call it, in conformity to current usage) is best interpreted not as an argument for the existence of God, but as a claim about what it is reasonable to believe about biological evolution…â€
Nun, wenn das so ist, ist ja alles gut und ich hab kein Problem damit. Ach verdammt, es geht weiter…
“… if one independently holds a belief in God that is consistent both with the empirical facts about nature that have been established by observation, and with the acceptance of general standards of scientific evidence.“
(S.188)
Warum spielt der Glaube an Gott da eine Rolle? Kann mir das jemand erklären? Das heißt, was man über die biologische Evolution glaubt, sollte abhängig davon sein, ob und wie man an Gott glaubt. Und die Argumentationsrichtung ist auch klar. ID beweißt Gott nicht, es setzt den Glauben an Gott voraus, an welchem sich dann die Theorie über die Evolution orientieren soll. Das Wort, das da nicht passt ist, ist “independently”. Wenn es da was zu suchen hätte, hätte der Satz auch nach der ersten Hälfte aufhören können. Und dann fragt er ernsthaft, was eigentlich das Problem mit ID ist?
“The evidence for the theory [Evolutionstheorie, Anm.] is supposed to be evidence for the absence of purpose in the causation of the development of life-forms on this planet.â€
(S.188)
Nein! Nein, eben nicht! Beweise für die Evolutionstheorie beweisen Evolutionstheorie und sonst nichts. Es ist nicht die Aufgabe der Evolutionstheorie irgendwas anderes zu beweisen oder zu widerlegen. Es ist die Aufgabe von denen, die glauben, dass es einen Sinn oder einen Plan oder sonst was in der Entwicklung des Lebens gibt, endlich Beweise für IHRE Theorie vorzulegen. Ich kann deren Theorie nicht widerlegen, niemand kann das. Ich kann auch die Existenz des Weihnachtsmanns und des Osterhasens nicht widerlegen.
„No one suggests that the theory is not science, even though the historical process it describes cannot be directly observed, but must be inferred from currently available data. It is therefore puzzling that the denial of this inference, i.e., the claim that the evidence offered for the theory does not support the kind of explanation it proposes, and that the purposive alternative has not been displaced, should be dismissed as not science. The contention seems to be that, although science can demonstrate the falsehood of the design hypothesis, no evidence against that demonstration can be regarded as scientific support for the hypothesis. Only the falsehood, and not the truth, of ID can count as a scientific claim. Something about the nature of the conclusion, that it involves the purposes of a supernatural being, rules it out as science.“
(S.188 f.)
Wie zur Hölle soll die Wissenschaft die „design hypothesis“ denn widerlegen? Und warum sollte sie sich überhaupt einen feuchten Scheißhaufen darum scheren? Ich muss mir noch mal diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen:
“The contention seems to be that, although science can demonstrate the falsehood of the design hypothesis, no evidence against that demonstration can be regarded as scientific support for the hypothesis.â€
Zumindest hat er “support†und nicht “evidence†geschrieben. Aber stellen wir uns mal vor, ich fege den Satz „Es gibt keinen Weihnachtsmann, weil sein fliegender Wagen noch von niemandem gesehen und überzeugend dokumentiert wurde.“ mit dem Gegenargument „Sein fliegender Wagen ist unsichtbar.“ fort, inwiefern „unterstützt“ das meine Theorie, dass der Weihnachtsmann tatsächlich existiert? Ich habe immer noch keinen eigenen Beweis dafür vorgelegt, sondern warte nur darauf, dass jemand die Unmöglichkeit versucht, die Nichtexistenz zu beweisen und bekämpfe dann diesen Versuch.
Ich muss mich mit dem Zitieren etwas zurückhalten, sonst könnte ich auch gleich den ganzen Artikel hier reinkopieren.
Er geht jetzt also dazu über zu erklären, warum die Hypothese, dass genetische Mutationen übernatürlich beeinflusst werden, so sehr ignoriert wird. (Die korrekte Antwort darauf würde natürlich lauten: Aus dem selben Grund, weshalb meine Theorie, dass Johannes B. Kerner ein außerirdisches Killermonster mit Auftrag die Menschheit zu vernichten ist, ignoriert wird, nämlich dem, dass bedauerlicherweise keinerlei Beweise dafür vorliegen.)
“The premise is that the purposes and actions of God, if there is a god, are not themselves, and could not possibly be, the object of a scientific theory in the way that the mechanisms of heredity have become the object of a scientific theory since Darwin.
[…]
[T]he idea of a divine creator or designer is clearly the idea of a being whose acts and decisions are not explainable by natural law. There is no divine scientific psychology.â€
(S.189)
Nur mal so gefragt: Angenommen es gibt Gott oder etwas vergleichbares. Warum sollte er/sie/es nicht irgendwann auf wissenschaftliche Weise erklärbar sein?
Nagel fährt fort und überlegt sich die folgende Frage:
“Are the sources of genetic variation uniformly random or not? That is the central issue, and the point of entry for defenders of ID.â€
(S. 192)
Er führt hier z.B. das Konzept „Facilitated variation“, zu deutsch „Erleichterte Variation“ an. Soviel ich weiß, versteht sich dieses Konzept aber selbst als Erweiterung zur Darwinistischen Evolutionstheorie und das Buch „The Plausibility of Life“, welches Nagel an dieser Stelle anführt, richtet sich ausdrücklich gegen ID. Soweit ich das verstehe, geht es unter anderem darum, dass manche Elemente der DNA offener für Mutationen sind als andere. Die dem zugrundeliegenden Mechanismen entstanden selbst durch natürliche Selektion. Wenn diese Zusammenfassung einigermaßend zutreffend ist, wofür ich nicht meine Hand ins Feuer legen will, dann erklärt dieses Konzept eigentlich wie Mutation, die nicht vollständig zufällig ist, möglich wäre, allerdings ohne die Zuhilfenahme einer übernatürlichen Intervention.
Das wäre also ein ganz gutes Beispiel dafür, dass eine nicht hundertprozentige Zufälligkeit genetischer Variation noch lange kein Beweiß für irgendwas übernatürliches ist.
“But even if one merely regards the randomness of the sources of variation as an open question, it seems to call for the consideration of alternatives.â€
(S.192)
Und dieser Prozess nennt sich Wissenschaft. Selbst wenn wir die Sache offen oder sogar noch negativer bewerten würden, gäbe es aber keinen Grund einfach irgendwelchen “Alternativen” den Vorzug zu geben. Nach wie vor warte ich auf auch nur den geringsten Beweis für ID.
Ich müsste eigentlich fast zu jedem Satz was schreiben, hab das aber nicht vor. Nagel scheint davon auszugehen, dass die Existenz eines Gottes oder einer übernatürlichen Intervention bei nicht vorhandenen Beweisen genauso wahrscheinlich ist, wie die Nichtexistenz.
Wahrscheinlichkeit misst den Grad der Möglichkeit, dass etwas wahr ist. Mal ein einfaches Beispiel. Wenn jemand auf der Straße zu dir sagt: „Morgen geht die Welt unter.“, ohne dafür Beweise zu liefern, gehst du dann davon aus, dass morgen mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit die Welt untergeht?
Insofern springe ich jetzt einfach mal ein gutes Stück zum Ende zu einer besonders schönen Stelle.
“Sophisticated members of the contemporary culture have been so thoroughly indoctrinated that they easily lose sight of the fact that evolutionary reductionism defies common sense. A theory that defies common sense can be true, but doubts about its truth should be suppressed only in the face of exceptionally strong evidence.â€
(S. 202)
Ich weiß nicht genau, welchen Reduktionismus er hier meint, aber schon wieder so ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „…the fact that evolutionary reductionism defies common sense…“
Selbstverständlich stimme ich mit dem Wort Reduktionismus nicht überein, aber er setzt es ja hier sowieso mit der Evolutionstheorie gleich. Mein „common sense“ sagt genau das Gegenteil aus, aber zum Glück ist sein Bauchgefühl ja ein allgemeiner „fact“.
Malibu Aircraft; 2010-01-17
Im Angesicht des Augenblicks erstarrte das Wesen eines Engels im Zentrum seiner Existenz und schrumpfte zusammen. Dann verwandelte es sich aus Bescheidenheit in ein getrocknetes Blatt und verschwand, als ein Kind es nahm und zwischen den Fingern zerbröseln lies.
Daraufhin beschloss der Große eine Seelsorgenhotline für seine Engel einzurichten, denn neue Engel zu erschaffen war sehr schwer.
Der erste Anruf kam vom Engel Gabriel:
„Das Feuer ist heiß und der Himmel ist blau. Ich wünschte, es wäre umgekehrt, doch es ist eine Entscheidung, die unser Herr am Anfang halt mal so getroffen hat. Warum soll es bis in alle Zeiten feststehen? Wer gibt ihm das Recht? Ich verlange Mitbestimmung! Ich verlange demokratische Rechte! Ich verlange Partizipation! Wie vielen von uns will er noch zusehen, wie sie von Depressionen aufgefressen werden, weil ihnen die Sinnlosigkeit des eigenen Seins mit quälender Stärke bewusst wird? Immer diese Hierarchie! Jede Firma weiß doch heute, dass man den Mitarbeitern auch ein bisschen Entscheidungsfreiraum lassen muss. Ich will ja nicht undankbar erscheinen, aber wer garantiert denn, dass er immer alles am besten weiß?“
„Beruhige dich, Bruder. Ich werde ihm deine Beschwerden weiterleiten. In der Zwischenzeit gönn dir mal ein Auszeit und geh ein bisschen Wolkensurfen.“
Der zweite Anrufer war Michael:
„Es ist mir wirklich peinlich, hier anrufen zu müssen. Ich hoffe, niemand bestreitet meine Treue zum Großen, die ich ja hoffentlich zu genüge bewiesen habe.
Aber mich plagen schon lange Zweifel, die ich einfach nicht ignorieren kann. Bis heute weiß ich nicht, was passiert wäre, hätte ich Abraham nicht diesen Widder geschickt. Der hätte doch glatt seinen eigenen Sohn kalt gemacht. Und unser Großer saß einfach so da und sah sich das an. Ich weiß nicht, ob er wütend auf mich war. Manchmal glaube ich, er wird senil.“
Der nächste Anruf kam von Luzifer:
„Ja, servus! Wollt mich nur auch mal melden. Aber nur aus Spaß. Werd jetzt n paar Furzgeräusche machen und dann wieder auflegen…“
Dem Großen wurden alle diese Beschwerden weitergeleitet und er grummelte ärgerlich, als er sie laß.
„Undankbare Mistköter. Na gut. Einverstanden. Mir doch egal. Ich hab auch keine Lust mehr. Ganz ehrlich.“
Und er blähte sich auf, bis man ihn im ganzen Himmel sehen konnte und verpuffte dann in einem Pubs.
Die Engel stritten sich um seine Nachfolge und beschlossen dann nach viel Leid, das durch Intrigen und Machkämpfe angerichtet worden war, eine möglichst direkte Demokratie einzurichten.
Schon bald beschlossen sie einige Resolutionen: Feuer sollte von nun an blau sein, der Himmel heiß, Wasser konnte sich von nun an frei entscheiden, ob es auf- oder abwärts fließen wollte, Berge wurden mit Marmortreppen ausgestattet, Wolken wurde gestattet, sich mit den Menschen zu unterhalten, die Nacht wurde um einige Stunden verlängert, so dass jeder genügend Schlaf bekommen konnte und Regenbögen waren ab jetzt essbar.
Es wurde außerdem beschlossen, dass es oberste Priorität hatte, die ständigen Kriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen auf der Erde zu bekämpfen. Luzifer verhielt sich diesbezüglich wie immer bockig. Aber die Engel begriffen bald, dass sie mit vereinigter Kraft mit dem Kerl eigentlich fertig werden sollten und durch geschickte psychologische Kriegsführung konnte er schließlich überwältigt werden. Die Hölle wurde geschlossen und Luzifer in ein Rehabilitationsprogramm gesteckt.
Für einige hundert Jahre ging es auf der Erde und im Himmel sehr gut zu. Die Menschen machten erstaunliche technologische Fortschritte, die Künste florierten, die Meere und das Weltall wurden erforscht und erschlossen. Doch die Entwicklungen der Wissenschaft ermöglichten den Menschen bald, die dimensionale Frequenz des “Himmels” zu entschlüsseln. Nun sahen sie die Engel und nahmen mit ihnen Kontakt auf. Sie verlangten, dass die Engel ihre Macht mit den Menschen teilen sollten.
Die Engel argumentierten, dass der Himmel für das Herrschen über die Menschen zuständig war und dass es für sie keine Funktion mehr gab, würde man ihnen diese Aufgabe nehmen. Sobald sie obsolet würden, würde die Dimension, in der sich der Himmel befand, einfach kolapieren.
Darüber waren die Menschen zwar verärgert, doch sie nahmen es erst einmal hin.
Nun jedoch bekamen einige Engel Angst. Waren sie denn nicht längst obsolet geworden? Wenn die Menschen theoretisch auch die Mächte des Himmels übernehmen könnten, wozu waren sie dann eigentlich noch da? Könnte das Kolapieren nicht unmittelbar bevorstehen?
Und tatsächlich: Kaum war dieser Gedanke gedacht, verschwanden die Engel nacheinander und der Himmel begann sich aufzulösen.
Nur ein Engel konnte sich retten.
Er hatte seinen Fehler begriffen. Er erschuf eine neue Welt, war dabei auch vorsichtig genug, sie nicht zu perfekt zu machen, schuf ein paar unsinnige Regeln, die die Menschen auf Trapp halten sollten und schließlich ein paar Unterengel, die weniger Macht hatten als er selbst. Einen davon mobbte er solange, bis dieser sich gegen ihn wandte und eine Hölle einrichtete.
Als das endlich geschafft war, seufzte Gabriel erleichtert, legte die Füße hoch, öffnete sich ein Bier und schaute erst mal ein bisschen fern. In der Werbepause warf er einen kurzen Blick nach unten und sah beruhigt das Chaos und verwirrte Rumdackeln der Menschen, die, ihm-selbst-sei-dank, nicht das geringste von ihrer eigenen Existenz verstanden.
Malibu Aircraft; 2010-01-15
Ich liebe so Zeug ja: 7 Mal kranke Scheiße aus der Tiefsee.
Das letzte ist mit Abstand das widerlichste.
Ebenfalls extrem sehenswert: Andere Einträge aus der 7 Wonders Series des WebEcoist.
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