Gold für Israel


Sims Alabim; 2012-07-31

Es gibt ja zwei Dinge, die mich an meinem Heimatland aufregen. Erstens die übertriebene, bereits ins Hysterische abgedriftete Political Correctness beim Thema Judentum, und zweitens dieser gleichzeitig wiederaufkeimende Nationalstolz, der sich darin äußert, sich während großer internationaler Sportevents endlich wieder genauso dumm aufführen zu trauen, wie die anderen Nationen dieser Erde. Bei Olympia scheint es, wie ich den Ãœberschriften der Presse entnehme, auch nicht – wie mir in der Schule beigebracht wurde – darum zu gehen, dass Athleten aus aller Herren Länder völkerverständigend um die Wette hüpfen, sondern darum, wann “unsere” Sportler “uns” endlich eine Goldmedaille holen, und dass es ja zum Heulen und zum Schämen sei, dass das noch nicht passiert ist. Dabei haben wir doch alle in dem wunderbaren Film Cool Runnings von John Candy gelernt, dass jemand, der ohne Goldmedaille nichts wert ist, auch nichts wert ist, wenn er eine hat.

Um mich über diese Dinge nicht zu sehr aufzuregen, erträume ich mir seit Neuestem ein Szenario, das meine Schadenfreude in zweifacher Weise wunderbar befriedigen würde. Und zwar wünsche ich mir, deutsche Sportler würden künftig nur noch von israelischen Sportlern besiegt oder ausgestochen. Jedes olympische Gold, auf das “wir” ernsthafte Chancen hätten, soll uns von israelischen Athleten vor der Nase weggeschnappt werden. Und erst die Vorstellung, die israelische Fußballmannschaft (wenn es die überhaupt gibt, ich weiß sowas ja nicht und weigere mich, es zu recherchieren) würde Deutschland um den Weltmeistertitel bringen – herrlich!

Bei der Vorstellung, dass meine Landes- und Zeitgenossen sich nicht mehr entscheiden könnten zwischen ihren beiden liebsten Unsitten, hüpft mir das Herz in bösartiger Freude. Was würde passieren? Würden die Redakteure der BILD Zeitung sich trauen, all die wunderbar politisch unkorrekten Schlagzeilen zu schreiben, die ihnen quasi auf der Zunge liegen, oder hätten sie doch zu viel Angst davor, dass es ihnen geht wie Günther Grass oder Michael Lerchenberg? Wie weit würde die Titanic gehen? Und was würde der Papst dann dazu sagen? Würden die Deutschlandflaggen beschämt und mit stillem Ingrimm von den Balkonen geholt und die schwarzrotgoldenen Socken von den Rückspiegeln entfernt? Oder würde man seinen Zorn herauslassen und ans Tageslicht kommen lassen, was die Wissenschaft in aktuellen Studien sowieso schon bewiesen hat, nämlich dass es zwischen wachsendem (Fußball-) Nationalstolz und wachsender Fremdenfeindlichkeit eindeutige Zusammenhänge gibt?

Oder wäre das tatsächlich irgendwie ein heilsamer Schock für “uns”? Dann hätte der Zyniker in mir zwar nicht mehr so viel zu lachen, aber es ist sowieso selten ein gutes Zeichen, wenn in mir hauptsächlich der Zyniker was zu lachen hat.

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