Die Wikileaks-Fancrowd ist fast genauso schlimm wie ihre Feinde


Malibu Aircraft; 2011-01-01

Als ich mich vor etwa einem Monat selbst davon überzeugen konnte, dass die Webseiten von Mastercard und Visa nicht aufrufbar waren, hatte ich ein fettes Grinsen auf dem Gesicht. Mastercard und Visa hatten in einer erstaunlichen Mischung aus Opportunismus, Feigheit und Heuchelei die Spendenkonten von Wikileaks gesperrt. Selbst Organisationen wie der Ku-Klux-Klan bleiben von derartigen Aktionen verschont.
Es schien wie eine herrliche Racheaktion, in der eine Gruppe Nerds die mächtigsten Kreditkartenunternehmen der Welt ins Wanken brachten. Was sollte einen daran hindern, den Anblick des leeren Browserbilds genüsslich einzusaugen.
Wie wäre es mit ein bisschen Verstand, der sich langsam wieder in meinen Hirnwindungen breit machte? Ich habe also nichts dagegen, wenn eine Gruppe selternannter Hacktivisten (gibt es ein bescheuerteren Ausdruck?) entscheidet, welche Seiten ich aufrufen kann und welche nicht? Und dabei unter dem Projektnamen “Avenge Assange” (Antwort: ja) beispielweise auch die Seite des schwedischen Staatsanwalts zum Erliegen bringt?

So viele Dinge laufen in der Diskussion um Wikileaks schief. Beginnend damit, die Teilnehmer an den einfach durchzuführenden DDOS-Attacken ernsthaft als ernsthafte Hacker zu bezeichnen, über die übermäßige Fokussierung auf die Ziele von Wikileaks, die ich selbstverständlich nicht gutheißen muss, um Wikileaks’ Rechte zu verteidigen, bis hin zu dem absurden Maß an Aufmerksamkeit, das dem Schnösel Assange gewährt wird.

Dabei gibt es durchaus interessante Fragen die Wikileaks aufwirft, z.B.: Ist die Art und Weise, wie bisher Diplomatie gemacht wird, in der heutigen vernetzten Welt weiterhin möglich? Wieviel Transparenz können wir fordern, ohne den Grundfesten der Diplomatie zu schaden?

Ich finde es schwer, ernsthaft über Wikileaks zu diskutieren, solange diese Fragen nicht geklärt sind.

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Der McGurk-Effekt


Malibu Aircraft; 2010-12-27

Nicht, dass Synchronisationen in der Regel wirklich gut sind, aber eigentlich könnte man sich ja fragen, warum sie überhaupt einigermaßen funktionieren. Und hier ist die Antwort:

[via]

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Kill the messenger - Wie mit Wikileaks umgegangen wird, grenzt am Faschismus


Malibu Aircraft; 2010-12-04

Nachdem nun Amazon und PayPal mal wieder das Ausmaß ihrer Rückratslosigkeit gezeigt haben, indem sie Wikileaks die Dienste verweigerten, nachdem den Betreibern sogar die Internetadresse wikileaks.org entzogen wurde, nachdem massive und organisierte Hackerangriffe stattfanden, nachdem die französische Regierung Wikileaks höchstpersönlich von Servern in Frankreich verbannen will, nachdem eine politische Treibjagd in unfassbarem Ausmaß gestartet wurde, nachdem Wikileaks anscheinend nur noch  in Ländern wie der Schweiz oder Luxemburg genug Unterstützung findet, und noch nach vielem anderem mehr, könnte man so langsam anfangen, sich Sorgen zu machen.

Die NGO “Reporter ohne Grenzen”, in der Vergangenheit zu Recht sehr kritisch im Bezug auf die Fahrlässigkeit mit der Wikileaks Informanten teilweise praktisch zum Abschuss freigibt, schreibt in einem offiziellen Statement treffend:

This is the first time we have seen an attempt at the international community level to censor a website dedicated to the principle of transparency. We are shocked to find countries such as France and the United States suddenly bringing their policies on freedom of expression into line with those of China. We point out that in France and the United States, it is up to the courts, not politicians, to decide whether or not a website should be closed.

Firmen wie Amazon verteidigen sich und sagen, es ginge ihnen lediglich um die Leben der Informanten. Allerdings gab es diese Problematik auch bei den bisherigen Enthüllungen und es ist sicherlich kein Zufall, dass sie erst jetzt angesichts der Preisgabe massiver diplomatischer “Peinlichkeiten” und dem folgenden Sturm politischer Lynchmob-Stimmung, einknicken.

Ich will weder die Persönlichkeit eines Julian Assange verteidigen, noch die Bedeutung zerreden, die dem Schutz von Informanten zukommen muss. Wikileaks wird da seine Verantwortung auch nicht los, wenn es Washington diesbezüglich Zusammenarbeit anbietet und bei entsprechenden Hinweisen sofortige Löschung verspricht.

Aber die fanatische Hetzjagd, die jetzt begonnen hat, muss jeden kotzen lassen, der glaubt, dass Transparenz und Wahrheit über diplomatischer Geheimniskrämerei und Zensur stehen sollten.

Update:

Visa und Mastercard sperren seit Tagen alle Spenden an Wikileaks. Der Ku-Klux-Klan und andere radikale Organisationen dürfen hingegen weiter mit den Diensten der Kreditkartenunternehmen rechnen. Im Netz werden Cyber-Angriffspläne geschmiedet - und bisweilen auch schon umgesetzt.

Quelle: sueddeutsche.de

PayPal has said that its decision to stop users from using its service to make donations to Wikileaks was made after advice from the US government.
A senior official at the online payments firm said the State Department had told it that the activities of the website were illegal in the US.
[...]
However, a State Department official denied that it had contacted Paypal.
[...]
PayPal’s comments came from the firm’s vice-president Osama Bedier at a conference.
He said the company had carried out its actions after receiving a letter from the State Department, adding that it was a “straightforward” decision.

Quelle: bbc.co.uk

Wikileaks’ “Enthüllungen” - gut, schlecht, egal?


Malibu Aircraft; 2010-10-25

Obama hat, soviel ich weiß, sein Gesicht noch nicht selbst in die Kamera gehalten, aber seine Regierung und das Pentagon geht mit entsprechenden Lecks wohl nicht gerade zimperlich um. Irgendwie ist das ja auch verständlich, es erhöht das Vertrauen in die eigenen Leute nicht gerade, wenn die so wenig dichthalten wie ein Diarrhö-geplagter Darmverschluss.

Al-Maliki, dem momentanen Regierungschef Iraks, dürfte das alles am meisten schaden. Vor einem halben Jahr fand die Parlamentswahl im Irak statt. Alles sah sehr vielversprechend aus. Die Iraker hatten trotz Gefahren und Widrigkeiten eine Wahlbeteiligung von 62 Prozent erreicht und überraschend moderat gewählt. Der Wille der Bevölkerung stand fest: Kandidaten und Parteien, von denen Kompromissbereitschaft und wenig Sektiererei zu erwarten ist, sollten es sein. Dieser Wille wurde behandelt wie ein benutztes Taschentuch.

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Nuri al-Maliki. Quelle: Wikimedia

Heute gibt es immer noch keine neue Regierung. Und gerade als Maliki versprach, er stünde jetzt kurz davor eine zu bilden, kam Wikileaks. Die entsprechenden “files” decken vor allem den Zeitraum seiner ersten Amtsperiode ab und schwächen ihn damit nicht unwesentlich in den Koalitionsverhandlungen. Wahrscheinlich gibt ihm der Zeitpunkt aber auch aus einem anderen Grund zu denken: Er steht kurz nach einem warmen Besuch im Iran, bei dem Maliki sich mit Khamenei und Ahmadinedschad gut stellte. Möglicherweise hoffte er zu Recht, Iran würde seinen Einfluss geltend machen, um die radikaleren schiitischen Parteien zu einer Koalition mit seiner, ebenfalls schiitischen, Dawa-Partei zu überreden. Aber der “beunruhigende” (als ob es im Irak eine Ruhe zum “beun”-nen gäbe) wachsende Einfluss Irans, den anscheinend auch die Wikileaks-Dokumente noch mal verdeutlichen, stößt nicht nur außerhalb des Iraks auf Angst. Ein großer Teil von Malikis eigenen Wählern dürfte diese kriecherische Freundlichkeit dem persischen Nachbarregime gegenüber nicht gerade gut finden.

Doch so sehr man dem Irak endlich wieder eine legitimierte Regierung wünscht, man kann Wikileaks und ihre Daten schlecht dafür kritisieren. Wenn es aber stimmt, dass unnötig Namen genannt wurden, die nun im Irak um ihr Leben fürchten müssen, gibt es für diese gleichgültig-arrogante Fahrlässigkeit auch keine Entschuldigung.

Inhaltlich bringen sie nichts grundsätzlich Neues. Wahrscheinlich schocken sie den Westen mehr als die Iraker. Und wenn es eines braucht im Westen, dann das selbiger sich mit dem Irak mehr auseinandersetzt. Mit dem grenzenloses Hass (aufgebaut durch Jahrzehnte rassistischer, segregierender Massenmords- und Deportationspolitik), welcher sich nach dem Anheben der totalitären Staatsmachtglocke Saddams entlud und entlädt, mit den Verbrechen des amerikanischen Militärs, mit der zunehmenden Privatisierung des Krieges und mit vielem mehr. Wenn das alles war, was Wikileaks erreicht hat, dann (ja, ich bin mir heute wirklich für nichts zu schade): Mission accomplished!

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Pakistanische Fluten


Malibu Aircraft; 2010-08-04

In Pakistan werden viele Opfer der Fluten von islamistischen Gruppen versorgt. Der englische Guardian schreibt:

With the government overwhelmed by the scale of the disaster, the worst flooding in Pakistan in at least 80 years, a gap has opened up for well-organised Islamic groups, mainstream and extremist.

They have been able to win hearts and minds in a region most hit by militancy and the threat of a Taliban takeover. Across the deluged north-west, locals complained bitterly that government help was almost entirely absent.

Die Zeitung gibt als Beispiel eine Unterorganisation von “Lashkar-e-Taiba” an, eine riesige Terrorgruppe, die in der Vergangenheit vor allem Anschläge in Indien ausführte, aber auch gute Kontakte mit Taliban und Al-Qaeda unterhält. Die Ironie ist offensichtlich: Gerade in den Gebieten in denen staatliche oder internationale Hilfe zum Teil aufgrund zerstörter Infrastruktur und beschissener Sicherheitslage fehlt - beides im beträchtlichem Maße die Schuld von Gruppen wie Lashkar-e-Taiba - können islamistische Gruppen als Retter glänzen.

Situationen wie diese zeigen, warum man auf Orte wie Afghanistan und Pakistan nicht einfach aus sicherheitspolitischem Auge schauen kann. Entweder setzt sich der Westen für sie ein, das bedeutet humanitäre und finanzielle Mittel in viel höherem Ausmaß als bisher, und er verpflichtet sich selbst dazu, langfristig beim Aufbau mitzuhelfen oder wir können noch so viel Soldaten und militärische Ausrüstung schicken: Denn dann wird es sehr wahrscheinlich in absehbarer Zeit einen neuen Afpak-Staat unter islamistischer Herrschaft geben.

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Sims Alabims Sommerhits


Sims Alabim; 2010-07-24

Für viele Leute ist es längst ein offenes Geheimnis, dass ich gerne die Vuvuzela erfunden hätte. Nicht nur, um mit einem vermutlich äußerst billig hergestellen Plastikkram einen Haufen Kohle zu machen, sondern vor allem, um mich voller Stolz einer Erfindung rühmen zu können, die der gesamten Fußballnation wochenlang auf die Nerven gegangen ist. Das wäre einmal wirklich ausgleichende Gerechtigkeit und mir ein innerer Reichsparteitag gewesen.

Ich hätte mich auch redlich darum bemüht, die Vuvuzela mit verschiedenen Frequenzen herauszubringen, denn als das größe Manko des Vuvuzela-Klangteppichs habe ich eigentlich immer die Tatsache empfunden, dass es dem ZDF gelungen ist, ihn aus dem Live-Ton der Übertragungen auf ein erträgliches Maß herunterzufiltern (das habe ich mir zumindest erzählen lassen).

Wie überrascht war ich, als ein paar wagemutige Musikanten den Beweis angetreten haben, dass in der Vuvuzela noch viel, viel mehr steckt, als penetranter Hintergrundlärm. Das, was diese Menschen da veranstalten, gehört meines Erachtens nicht nur in einen Konzertsaal, sondern auch auf die Zuchtbullenversteigerung in Hannover, zur Bundesverdienstkreuzverleihung für Jogi Löw, mehrfach vor die UNO und vor den obersten Sowjet.

Platz 3: Die Vuvuzela

Auch das folgende Stück würde ich gerne einmal in der Fassung für Vuvuzela-Bläser hören. Bis dahin müssen wir uns wohl mit folgender, gelungener Neuinstrumentalisierung eines Klassikers zufrieden geben:

Platz 2: The (not so) Imperial March

Zum Themenkanon dieses Blogs gehört ja leider Gottes auch immer wieder der Spott über die Esoteriker, und so wie meine geschätzten Freunde und Kollegen ihre Kronzeugen dafür gerne unter den Spitzen der Britischen Komiker finden, ist es mir nun auch endlich gelungen, ein musikalisches Kleinod ausfindig zu machen, dass zeigt, dass höchster musikalischer, künstlerischer Anspruch und tiefgreifende spirtuelle Botschaften wahrhaftig zu einem Meisterwerk verschmelzen können, ohne dessen positive Energie ich keinen meiner treuen Leser in den Rest des Sommers entlassen möchte:

Platz 1: Ein Lied, das jeden Menschen glücklich macht.

Ich würde mich nicht wundern, wenn man damit Krebs heilen könnte.

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Irans bröckelnde Fassade


Malibu Aircraft; 2010-06-21

For einem Jahr begannen im Iran großflächige Demonstrationen gegen das faschistische, theokratische Regime von Ali Khamenei und der Marionettenfigur Ahmadinedschad. Heute sind 70 Prozent der iranischen Bevölkerung unter 25 Jahre alt und in Universitäten finden sich zu 60 Prozent Studentinnen. Das geht zum großen Teil zurück auf den achtjährigen Krieg zwischen Iran und Irak, der 1988 endete und in dem Iran mindestens eine Million junger Menschen verlor. Infolgedessen versuchte Iran alles um die Geburtenzahlen zu erhöhen, wobei sie etwas über das Ziel hinausschossen. Gleichzeitig wurde das Bildungssystem ausgebaut, was besonders von Frauen genutzt wurde.
Es ist genau die Generation, welche aus jenen Prozessen hervorging, die bis heute unter Lebensgefahr auf die Straße geht und die mehr Respekt und Solidarität verdient, als sie überhaupt bekommen kann. Leider erhielt sie jedoch vor einem Jahr von internationaler Seite zum großen Teil zögerliche Unterstützung und auch Teile der Linken zeichneten ein mehr als erbärmliches Bild von sich selbst.
Diese Versäumnisse scheinen im Angesicht der Aussagen einiger ehemaliger Mitglieder der Revolutionsgarde noch viel schändlicher. Wenn man ihnen glaubt, stand das Regime vor einem Jahr kurz vor dem Zusammenbruch.
Ein 15-minütiges Videos mit entsprechenden Interviews findet sich hier.

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“Frauengold” oder der lustige Sexismus von früher…


Cabuflé; 2010-06-06

…heute ist man ja gottlob “darüber hinweg”:


[via]

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Dialog in der U1


Cabuflé; 2010-05-06

Autobiographisches Dramolett für zwei Ernst-Busch-Absolventen und diverse Statisten

A: (mit Blick zum U-Bahn-Fernsehen) Was? Nacktbilder von Lena Meyer-Landrut?

B: Ja, hast du das nicht mitgekriegt?

A: Nein…

B: Das ist doch seit ein paar Tagen der youtube-Knüller.

A: Ach youtube? Dann sieht man ihre Titten ja gar nicht.

B: Doch, schon.

A: Was? Auf youtube? Da sind doch keine Titten erlaubt.

B: Wie bitte?

A: Also, wenn jemand es meldet, dann wird es gelöscht.

B: Na ja, ganz kurz halt. So halb. (Pause) Aber ohnehin ist das ja so’n Fall, wo man sich fragt, warum einen das jetzt interessieren soll - Nacktbilder von Lena Meyer-Landrut.

A: Ja, schon, aber ich muss mir das natürlich jetzt trotzdem gleich wenn ich nach hause komm anschauen.

B: Natürlich, ich hab’s mir ja auch angeschaut.

Ansage: Nächste Haltestelle: Kottbusser Tor; Übergang zur U8.

A: Als ich letzte Woche deinen kleinen Bruder besucht habe, hat sich übrigens herausgestellt, dass Benjamin Blümchen in dem geheimen Harem im Führerbunker mit seiner Sacknaht an der Scheide von Lena Meyer-Landrut hängengeblieben ist.

B: Haha. (Pause) War die dann innen oder außen?

A: Was? Na, äh, außen. Sacknaht halt.

Einige Mitreisende schauen peinlich berührt.

B: Du sagst das sehr gerne, oder?

A: Was? Sacknaht?

B: Ja.

A: Ja, selbstverständlich. (Pause) Sacknaht.

Vorhang, Applaus.

Was genau war da los in Island?


Cabuflé; 2010-04-18

[Mit Dank an Marcus B. aus K.]