Fälschung Teil 3


Malibu Aircraft; 2011-07-06

Jonathan kämpfte gegen das Adrenalin, das sein dummer Körper ungefragt ausschüttete und setzte ein Lächeln auf: „Entschuldigung. Ich weiß, ich sollte das hier ernster nehmen. Es ist nur so, dass die Anschuldigungen gegen mich so… haha.. absurd sind, dass es es mir schwer fällt, das ernstzunehmen, dass ihr mir nicht glaubt, dass ich das hier, dass also, dass dem so ist, dass ich hier hergehöre und ähm…
Die andere Welt: Ja also die ist … sehr ungemütlich… und ganz und gar nicht … gut oder real. Weder das eine noch das andere. Sie ist grau, mürrisch, voller Misstrauen, Abenteuer werden geschlachtet, während sie noch Föten sind. Sie ist gebaut aus Begrenzung von Kleingeistern, die andere Geister verkleinern wollen, damit sie in ihre eigenen Geister passen…
Ich kann sie nicht empfehlen. Ich will dort auch nicht wieder hin.“
„Aber was, wenn sie die echte wäre, Jonathan?“ fragte der Weißhaarige.
„Selbst dann nicht.“
Plötzlich erhob sich ein Stimmengewirr am Tisch.
„Ich bin nicht überzeugt!“ „Er klingt falsch!“ „Unecht, gebt ihm den Test!“
Der Weißhaarige räusperte sich und wieder klang es, als räusperten sich die Wände mit ihm.
„Jonathan… Wärst du bereit, den Test zu nehmen. Ich weiß, es ist nicht sehr angenehm, aber es ist die beste Möglichkeit, alle Zweifel zu bereinigen.“
„Nicht fragen!“ rief eine dralle Blondine aus dem hinteren Teil des Raumes. Sie erhob sich und kam auf Jonathan zu, in der Hand ein dünnes Glas mit einer silbrigen Flüssigkeit.
„Nimm den Test.“ sagte sie mit einer Freundlichkeit, die so falsch war wie ihre Titten, während sie Jonathan das Glas in die unwillige Hand zwang.
Eine zweidrittel Ewigkeit hielt er das Glas bis er es auf dem Tisch absetzte und in seinem charmantesten Tonfall sagte:
„Vielen Dank für Ihre Zeit, doch ich muss das noch einmal überdenken.“
Dann verließ er den Raum so schnell er konnte. Empörte Rufe trafen ihn im Rücken, aber schon einen Schritt hinter der Tür umhüllte ihn wieder die Blase. Er befahl ihr, ihn zurück zum Dach zu bringen, wo er zu seinem wartenden Gefährt sprintete, welches sich, nach seinem Aufschwingen, in einen Düsenjet verwandelte und abhob.
Er raste durch Häuserschluchten und sah bereits das Ende der Stadt und das weite Land vor ihm auftauchen als zwei mächtige metallene Arme ihn packten und sein Gefährt in zwei Teile rissen. Er fiel und schlug nach einem langen Fall auf dem harten Asphalt auf.
Es wurde eine offizielle Untersuchung gestartet, die zu dem Ergebnis kam, dass Jonathan Baumanns Tod zwar tragisch war, dass aber niemand verantwortlich gemacht werden könnte. Einerseits weil die Steurer der Metallarme aus Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer nicht schnell genug nach unten greifen konnten, um ihn aufzufangen, andererseits weil Verantwortung in Utopia generell mit Skepsis betrachtet wird.

Der Moment in dem Jonathan Baumann in seiner Wohnung in Berlin Neukölln aufwachte und feststellte, dass er im falschen Programm war, hätte ganz einfach verdrängt werden können oder abgetan als ein besonders realistischer Traum, nicht zu unterscheiden von der Wirklichkeit, außer eben durch die Tatsache, dass es einfach nicht sein Leben war in dem er aufwachte.
Er lebte dieses Leben zwar noch weitere Jahrzehnte, doch er wusste ohne den geringsten Zweifel, dass es sich dabei um eine Fälschung handelte.

Ende

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