Fälschung Teil 2


Malibu Aircraft; 2011-06-25

Der Weißhaarige drehte sich zu den restlichen Anwesenden um und fügte erklärend hinzu:
„Es war Herr Baumanns Therapeut, der uns auf diese Möglichkeit hinwies. Anscheinend sind die Gedächtnisausfälle so wiederkehrend und beständig, dass er sich gezwungen sah, über seine Verschwiegenheitspflicht hinwegzusehen und uns zu informieren.
Er informierte uns, dass Jonathan… ich meine Herr Baumann zum Teil vollständige Blackouts hatte und in der Annahme verweilte, es handele sich bei dieser Welt um einen Traum. Manchmal dauerte es angeblich Tage bis die Erinnerungen vollständig zurückkehrten und er sich wieder ganz „einfinden“ konnte. Die Angaben des Therapeuten decken sich zeitlich mit Phasen in denen Herr Baumann entweder krankgeschrieben war oder in seiner Produktivität ein extrem ungewöhnlicher Einknick festzustellen war. Seinen Angaben zufolge sind psychologische Gründe übrigens auszuschließen.
Es ist selbstverständlich äußerst … unangenehm einen Kollegen diesbezüglich vernehmen zu müssen. Es ist in der Tat so, dass uns außer den Angaben des Therapeuten keine eindeutigen Anhaltspunkte vorliegen.
Aber wie du natürlich weißt, Jonathan, gibt es für uns einige Methoden die Sache sicher zu klären. Als erstes jedoch…“
Der Weißhaarige (Jonathan flog ein Name durch die Stirn. Karl Sirich… Oder Irich? Klirich? Spirich?) blickte ihn ernst an und versuchte sich dann an einem ermutigenden Lächeln:
„Als verdienter und redlicher Kollege sag mir bitte: Hast du selbst irgendwelche Gründe anzunehmen, dass diese Welt nicht real ist? Dass du in Wirklichkeit ein ganz anderes Leben führst? Selbstverständlich zweifeln wir alle von Zeit zu Zeit. Das ist ganz normal. Aber hast du schon mal ernsthaft und für einen längeren Zeitraum deinen Glauben verloren?“
Jonathan fiel wie nebenbei auf, dass sein Herzschlag seit einiger Zeit eine ungesunde Geschwindigkeit an den Tag legte, während er noch immer an dem silbernen Faden der Erinnerung festhielt, den er gepackt hatte, als sich ihm der Name (Schwierich?) des Herren gezeigt hatte.
„Niemals. Jeden Morgen wache ich auf und es mir so unglaublich klar, dass nur diese Welt die richtige ist.“
„Und gibt es eine andere, die mit dieser konkurriert?“
Jonathan versuchte heute zum zweiten Mal krampfhaft seine Unsicherheit zu verbergen (diesmal resultierend aus dem ironischen Tonfall, den er für einen Moment festzustellen glaubte), aber der intensive Blick des schmalen Herren machte es ihm schwieriger als der unterwürfige Roboter von heute morgen.
„Nicht ihm geringsten!“
Der Weißhaarige schmunzelnde und fragte freundlich noch ein mal:
„Gibt es eine andere?“
Diesmal entkam eine Portion Verwirrtheit Jonathans Innenleben und manifestierte sich auf seinem Gesicht.
„Nein…“
Der Weißhaarige schien etwas ungeduldig zu werden.
„Hör zu, Jonathan, das ist kein Spiel hier. Wir alle haben schlechte Träume und “Erinnerungen” an eine andere Welt. Erzähl uns doch einfach, wie sie deiner Meinung nach aussieht.“

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