Noch einmal Bin Laden


Malibu Aircraft; 2011-05-13

Als ich vor kurzem die Anne Will-Sendung „Bin Ladens Liquidierung – darf man sich darüber freuen?“ schauen wollte, wusste ich ungefähr, was mich erwartet. Anne Will – Das ist Wutfernsehen in perfecto. So eine typische Show, die man sich nur anschaut, um sich aufzuregen, weil man es genießt, sich aufzuregen. Und genau das war mir klar und deswegen sollte ich mich nicht beschweren. Ich schaute aber tatsächlich nur die ersten zehn Minuten, in denen nichts anderes geschah, als Folgendes:
Die Anwesenden sind sich darüber einig, dass sie „erleichtert“ waren, als sie die Neuigkeit gehört haben, dass es aber unerhört und dumm von Merkel ist, zu sagen: „Ich habe mich gefreut.“ Die logische Folgerung: Es ist vollkommen absurd und geradezu bösartig, sich zu freuen, wenn man Erleichterung verspürt. (Und wenn man Kanzlerin ist, nach der unwidersprochenen Meinung eines durchgeknallten Richters, möglicherweise gegen das Gesetz.)
Wenn ich an Momente in meinem Leben denke, in denen ich erleichtert war, dann folgte dieser Erleichterung in der Regel auch eine Art Freude. Vielleicht hätte Merkel es spezifizieren müssen:
„Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin erleichtert über Bin Ladens Tod, aber ich verspüre keine explizite Freude. Es ist mehr die Sorte von Erleichterung, die ich auch nach einem richtig ordentlich Schiss verspüre. Man fühlt sich leichter, aber Freude wäre zuviel gesagt. Verstehen Sie, was ich meine?“
Ganz abgesehen davon, dass man theoretisch auch trotz Freude an der Legitimität des Einsatzes zweifeln kann (und dass ich nicht dachte, dass ich mal Merkel verteidigen muss), ist die Korinthenkackerei um ein subjektives Emotionswort fast noch absurder, als die Tatsache, dass es mittlerweile also unerhört ist, beim Tod eines Massenmörders allzu angenehme Gefühle zu haben.
Wie gesagt: Das bedeutet nicht mal, dass es nicht besser gewesen wäre, ihn zu verhaften. Damit kommen wir zum zweiten Punkt:
Ja, es wäre meiner Meinung nach besser gewesen, ihn zu verhaften, auch wenn bzw. gerade weil das folgende Gerichtsverfahren schwer gewesen wäre. Und auch, obwohl es ohne Frage zu grausamen Freipressungsversuchen geführt hätte und zu Anschlägen, welche die, scheinbar nicht an Brutalität zu überbietenden, Racheaktionen in Pakistan auf Dauer wahrscheinlich noch überboten hätten.
Aber warum gehen alle mit dieser Selbstverständlichkeit davon aus, dass es sich um eine geplante Exekution handelte? Nicht dass ich das Gegenteil beweisen könnte, aber ich kann nachvollziehen, warum Soldaten keinerlei unnötige Risiken eingehen wollen in einem völlig unbekannten Gebäude, in dem überall Sprengfallen sein könnten, in dem sich Osama nach den ersten Schusswechseln locker eine dieser „besonderen Westen“ hätte anziehen können und in dem sogar ein „Self-Destruct-Button“ sich nicht so absurd und unlogisch angehört hätte, wie normalerweise. Ich habe auch kein Problem damit zu glauben, dass Bin Laden lieber gestorben wäre, als sich gefangen nehmen zu lassen und sich entsprechend verhalten hat.
Ein gefangener Bin Laden wäre besser gewesen, als ein toter, aber ein toter ist besser als ein freier.

23 comments

  1. Zunächst einmal gibt Frau Merkel ihr Statement nicht als Privatperson ab, sondern als politisches Oberhaupt Deutschlands. Also ist es kackegal, ob sie erleichert, erfreut, verstört oder übermüdet war, als sie von Bin Lades Exekution erfahren hat. Wenn sie als politisches Oberhaupt eines Staates eine Stellungnahme zum Tod einer anderen politischen Figur abgibt, bzw. eine Stellungnahme zur Legitimation seiner Exekution, dann ist es einfach dumm zu sagen “Ich habe mich gefreut” – auf wenn sie sich gefreut hat.

    Zweitens glaube ich nicht, dass der Tod Bin Ladens die Situation jetzt maßgeblich verbessert hat. Glaubst Du, da kommt niemand nach? Glaubst Du, jetzt haben alle anderen Leute, die bei der Taliban was zu sagen hatten, so schiss bekommen dass sie in Rente gehen und Gurkenzüchter werden? Jetzt ist aus dem Anführer ein Märtyrer geworden, und die USA haben wieder ein paar zweifelhafte Lohrbeeren, mit denen sie ihre nächsten Verstöße gegen internationales Recht rechtfertigen können.

    Drittens erinnern mich Sätze wie “ein toter ist besser als ein freier” derart unangenehm an Sprüche wie “Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer”, dass spätestens da jegliches Gefühl von Erleichterung – wenn ich es denn angesichts des Todes von Bin Laden jemals empfunden hätte – einem Stein im Magen weicht.

    Mein Problem liegt dabei nicht darin, dass es meinetwegen eine legitime Haltung sein mag, den Tod eines Ãœbeltäters rational betrachtet für eine gute Sache zu halten, auch nicht darin, dass manch einer sich sogar bei einem Gefühl der Erleichterung oder der Freude ertappt (schließlich ist mir nichts Menschliches fremd) – aber das man sich diese Freude auch noch auf die Fahne schreibt anstatt über sie zu erschrecken – das finde ich bedenklich!

    Sims Alabim, May 14, 2011
  2. http://www.youtube.com/watch?v=jGWyinq2ai8

    Dummes Video ausblenden, Lied anhören.

    Sims Alabim, May 14, 2011
  3. Zu deiner Indianer-Parallele: Ernsthaft? Erinnert dich das wirklich daran? Auf die Gefahr unglaublich langweilig und offensichtlich zu klingen: Bin Laden ist keine willkürlich festgelegte Gruppe, der ein absurder Name gegeben wurde, um zu ihrer rassistischen Ausrottung aufzurufen. Er war ein bekennender Massenmörder mit ungeheurem militärischem, finanziellem und politischem Einfluss in zwei Ländern im Besonderen, wenn auch nicht ausschließlich, dessen Ziel die Errichtung eines islamistischen Kalifats war (soviel zum Thema anti-imperialistisch) und der jedem, der ihm dabei ihm Weg stand, den Krieg erklärte, wobei das Töten von Zivilisten (und das Töten von Kindern noch einmal ausdrücklich) erwünscht war.
    Kurz gesagt: Er war die Führungsperson einer kriegsführenden und ernstzunehmenden Partei (und wollte als nichts anderes betrachtet werden), dessen Tod zweifellos zu einer besseren Welt beiträgt und insofern sehe ich auch nicht, warum Merkel da nicht ehrlich sein sollte.

    Malibu Aircraft, May 14, 2011
  4. Ich hab auch noch ein Lied:
    http://www.youtube.com/watch?v=-iZW909WuB4

    Cabuflé, May 14, 2011
  5. Ja, es erinnert mich daran. Wirklich. Mein Hirn funktioniert leider so.

    Ob es sich um eine Gruppe oder eine Einzelperson, um Indianer, Juden, Kinderschänder oder Massenmörder handelt, ob man seine Meinung über den Gegner aus Flugblättern, esoterischer Verschwörungsliteratur, liberalen Zeitungsberichten oder You-Tube-Videos bezieht: Wenn einen Menschen beim gewaltsamen Tod eines anderen Menschen das Gefühl ehrlicher Freude ergreift, dann kommt diese Emotion, fürchte ich, aus einer ziemlich ähnlichen Ecke, ganz unabhängig von jedem theoretischen Ãœberbau. Der theoretische Ãœberbau ist nur dazu da, einem zu erlauben, sich trotz (oder wegen!) solcher Gefühle nach wie vor für einen guten Menschen halten zu können.

    Ich bin zu solchen Emotionen zweifellos auch fähig. Hätte jemand vor ein paar Jahren George W. Bush erschossen, hätte ich mich solcher Gefühle sicherlich nicht erwehren können.

    Die entscheidende Frage ist aber, wie man damit umgeht. Sich solche Gefühle einzugestehen ist eine Frage der Ehrlichkeit. Sie auch noch gut zu finden und an den Anfang einer politischen Rede zu stellen (Achtung, Kalauer) in der Ehrlichkeit in der Regel nichts zu suchen hat, ist ein anderes paar Schuhe. Das zeigt mir weniger Merkels Ehrlichkeit als ihre Unbeholfenheit und ihr mangelndes Reflexionsvermögen. Ich glaube ja nicht einmal, dass sie sich ehrlich gefreut hat (oder ehrlich erleichtert war) – ich glaube viel eher, dass sie geglaubt hat, so etwas müsse jetzt von ihr zu hören sein, schließlich sind wir Deutschen ja gegen Massenmörder und für die Aktionen unserer amerikanischen Freunde und nehmen unsere politische Verantwortung ernst und wollen auch dass die Welt ein besserer Ort wird.

    In Wirklichkeit habe ich das Gefühl, dass wir nach und nach, durch viele kleine Hintertürchen, Haltungen wieder salonfähig machen, die wir uns zumindest hierzulande, etwas verkrampft aber vielleicht auch zurecht, verboten haben: Wir stehen zu unserem Hass!

    Du beschreibst Osama Bin Laden als eine Ausgeburt der Hölle. So einen Typen muss man einfach hassen! Da ist es nicht nur legitim, ihn zu töten, es ist nicht nur legitim, das richtig zu finden, es ist sogar schon wieder legitim, das gut zu finden und stolz darauf zu sein, dass man das gut findet!

    Und Du hast die Frage immer noch nicht beantwortet (obwohl ich mir schon denken kann, wie die Antwort ausfällt, aber ich möchte Dich gerne auf diese Unterscheidung hinweisen, die ich in Deiner Antwort vermisse): Ist die Welt besser, weil Bin Laden tot ist, oder weil es tatsächlich niemanden gibt, der jetzt seinen Platz einnehmen kann? Ist die Welt besser, weil wir zukünftiges Ãœbel verhindert oder weil wir geschehenes Ãœbel gerächt haben?

    Sims Alabim, May 14, 2011
  6. Und ich hab auch noch´n Lied:
    http://www.youtube.com/watch?v=Oe-_UbLwH18

    Sims Alabim, May 14, 2011
  7. “[...]dass es mittlerweile also unerhört ist, beim Tod eines Massenmörders allzu angenehme Gefühle zu haben.”

    In welcher Welt, außer in Mittelerde, war es je legitim, bei dem Tod eines Massenmörders “angenehme Gefühle” zu haben? Wer beim tatsächlichen Tod eines Menschen angenehme Gefühle hat, ganz egal, was dieser Mensch getan hat, ist für mich moralisch schwer gestört.

    Grotemson, May 14, 2011
  8. Ist es erlaubt, wenn mir Bin Ladens Tod egal ist?

    Cabuflé, May 15, 2011
  9. @Sims: Ganz nebenbei: Ich bin auch nicht in Euphorie ausgebrochen, als ich es gehört habe. Ich habe es einfach zur Kenntnis genommen. Viel interessanter fand ich die Reaktionen und Implikationen, die USA-Pakistan-Beziehung, etc.. Das soll kein Rückzieher sein. Wenn ich in Freudentänze ausgebrochen wäre, würde ich auch dazu stehen und mich kein bisschen dafür schämen.
    Hass ist eine menschliche Emotion, die ihre Funktionen hat. Und wenn Hass berechtigt ist, kann man auch dazu stehen, solange man sich nicht davon kontrollieren lässt.
    Ehrlich gesagt nervt mich dieses Emotionsgelaber mittlerweile. Was zählt ist sowieso, was man tut und nicht was man fühlt.
    Insofern: Natürlich kann jemand seinen Platz einnehmen, wenn auch wahrscheinlich nicht so schnell und nicht mit dem gleichen Einfluss. Aber dass es so oder so ein schwerer Schlag für al-Qaida ist dürfte klar sein. Also: Vor allem weil eine große Chance besteht, teilweise zukünftiges Ãœbel verhindert zu haben.

    @Grotemson: Ich liebe diese Art von absurden Prinzipien. Sie sind so unglaublich einfach zu entkräften. Es gäbe tausend Beispiele, aber hier ist eins: Angenommen du und deine Familie werden gefangen gehalten von einem Entführer, der glaubhaft versichert hat, euch alle töten zu werden. Er geht kurz ans Fenster und wird von einem Scharfschützen erschossen. Und jetzt? Keinerlei angenehme Gefühle oder schwer gestört?

    Malibu Aircraft, May 15, 2011
  10. Richtig, es zählt was man tut. Deswegen kritisiere ich auch niemandes Emotion sondern deren reflektierten oder unreflektierten UMGANG damit.

    Entschuldige, wenn ich noch an Grotemsons Stelle antworte, aber mit Deiner vermeintlich leichten Entkräftung seines (wie ich auch finde etwas drastischen) Prinzips machst Du es Dir auch wieder zu einfach. Das geht schon bei dieser unglaublich hypothetischen Situation los, die Du Dir ausdenken muss, um ihn aus der Reserve zu locken. Wenn man früher Kriegsdienst verweigert hat, wurde man auch gefragt was man tun würde, wenn man seine Mutter in der Gewalt Russischer Soldaten vorfände, und als ich als Teenager meine vegetarische Phase hatte und das Töten von Tieren unrecht fand, wurden ich von Klassenkameraden gefragt, ob ich dann auch keinen Tiger erschießen würde, der meine Familie angreift.

    Zweitens gehst Du davon aus, dass ein Mensch in einer traumatischen Extremsituation wie einer Geiselnahme, der dann urplötzlich auch noch sieht wie ein anderer Mensch mit einem Einschlussloch im Kopf tot zu Boden fällt, emotional genauso reagiert als ob er das ganze als Szene in einem Kinofilm sehen würde: Hurra, die Hex ist tot…

    Natürlich wird – wenn die traumatische Situation ausgestanden und emotional halbwegs verarbeitet ist – ein Gefühl von Erleichterung darüber vorhanden sein, dass man mit dem Leben davon gekommen ist, und das vermutlich nur unwesentlich anders wäre, wäre man dem Geiselnehmer ohne dessen Erschießung entkommen.

    Aber jetzt Mal Schluss mit der Korinthenkackerei, ich weiß ja worauf Du hinauswillst: Wem von einem anderen Menschen wirklich und leibhaftig Gewalt angetan wurde, dem kann man Rachegelüste und Freude am Tod seines Peinigers nicht gleich als “moralische Störung” auslegen. Aber selbst Gewaltopfer sind – ob man es glaub oder nicht – zu Regungen wie Verständnis und Verzeihen im Stande und können unter Umständen durchaus eine Diskrepanz zwischen ihren Emotionen und ihrer Moral empfinden.
    Wenn aber jemand die angenehmen Gefühle, die das Töten des Peinigers ihm verschaffen mögen, als alleinige Rechtfertigung für dieses Töten anführt, dann hat das einen altbekannten Namen: Rache. Und diese ist – bei aller Nachvollziehbarkeit – als moralisches Grundprinzip eine verdammt fragwürdige Sache.

    Und ich glaube, das Leid, dass Angela Merkel von Osama Bin Laden angetan wurde, spielt nun wirklich nicht in der Liga einer Geiselnahme.

    Sims Alabim, May 15, 2011
  11. Hä? Er kam mit diesem absurden Prinzip und hat keine Ausnahmen eingefügt. Also kann ich doch jedes Beispiel wählen, dass ich will, auch ein extremes, um es deutlich zu machen.
    Und wer spricht davon, dass angenehme Gefühle, eine “alleinige” Rechtfertigung für das Töten sind. Sie sind selbstverständlich nie und in keinster Weise auch nur der Ansatz einer Rechtfertigung! Sie spielen eigentlich überhaupt keine Rolle. Darum geht es mir doch grade! Dass eine Gefühlsäußerung, ob sie ehrlich war oder nicht, zum Mittelpunkt der Diskussion gemacht wird, ist bescheuert. Anne Will hat das lediglich zum Thema genommen, weil es einfacher ist, sich über Emotionen zu unterhalten, als über Fakten.

    Malibu Aircraft, May 15, 2011
  12. Ich finde das gar nicht so unwesentlich, über genau diese “Gefühlsäußerung” unserer Kanzlerin öffentlich zu diskutieren.
    Ãœber die “Fakten” einer solchen Aktion kann man uns eine Menge erzählen, und selbst wenn man davon ausgehen will, dass man eine verlässliche Menge davon zusammenhat, lassen diese sich so oder so interpretieren. Aus Fakten alleine lässt sich schwerlich ein Richtig und Falsch ermitteln.
    Aber über die Haltung, die hinter Frau Merkels Äußerung (oder der unverholenen Freude in den USA) steht, lässt sich eine Menge sagen. Und ob der Angie da nun ungeschickterweise eine ungeschminkte Gefühlsäußerung entwichen ist, ob es eine freudsche Fehlleistung war, oder (was ich eher geneigt bin zu glauben) ob hier wieder einmal versucht wird, den emotionalen Gehalt eines Westernfilms auf die Weltpolitik zu übertragen:
    Wenn ich in einem Staat leben würde, in dem das politische Oberhaupt den Satz “Ich bin FROH, dass es GELUNGEN ist, XY zu töten” öffentlich aussprechen könnte, ohne dass es danach zu konsternierten Reaktionen kommt, würde ich darüber nachdenken, wohin man auswandern kann.

    Sims Alabim, May 16, 2011
  13. “Er geht kurz ans Fenster und wird von einem Scharfschützen erschossen. Und jetzt? Keinerlei angenehme Gefühle oder schwer gestört?”

    Keinerlei angenehme Gefühle. Höchstens Trauma, weil ein menschliches Wesen vor meinen Augen gestorben ist.
    Wow, das hast du echt super entkräftet!

    Grotemson, May 17, 2011
  14. ps.
    “Ist es erlaubt, wenn mir Bin Ladens Tod egal ist?”

    Das wäre dann ein Widerspruch in sich.

    Grotemson, May 17, 2011
  15. Es ist mir recht egal, was du dabei empfinden würdest. Aber niemand, der in diesem Moment Freude empfindet, ist moralisch schwer gestört, das dürfte sogar dir klar sein. Get it?

    ps.: That’s why it’s called irony.

    Malibu Aircraft, May 17, 2011
  16. @Sims: Nun, das ist dann dein persönliches Empfinden und in sofern kommen wir da wohl nicht wirklich weiter. Ich hätte nach wie vor auch kein Problem gehabt, wenn Merkel gesagt hätte: “So, und jetzt geh ich noch auf eine “Osama-got-shot-in-the-head-Celebration-Party”.

    Malibu Aircraft, May 17, 2011
  17. “Es ist mir recht egal, was du dabei empfinden würdest. Aber niemand, der in diesem Moment Freude empfindet, ist moralisch schwer gestört, das dürfte sogar dir klar sein. Get it?”

    Ok. Du behauptest einfach das Gegenteil. Aber wo war da jetzt die Entkräftung?
    Ãœbrigens: Begriffliche Verwirrung: Mann, der glaubhaft gedroht hat, meine Famlie zu töten, wird erschossen. Ich bin erleichtert, dass meine Familie nicht tot ist. Völlig ok. Positive Emotion gerichtet auf Familie, nicht auf Mann. Freude, dass Mann tot ist: Nicht ok. Positive Emotion gerichtet auf Tod des Mannes. Widerspricht moralischer Doktrin des unantastbaren Wertes menschlichen Lebens.
    Argument auch umgekehrt per Kausalprinzip über Stimuli, die Emotion generieren möglich, wenn Begrifflichkeit “gerichteter Emotion” zu kompliziert.
    Wuuups…so schnell lässt sich gegen Aussagen, von denen fälschlicherweise angenommen wird, sie seien eine Entkräftung (wohingegen sie eigentlich nur eine recht blöde Behauptung sind), ein valides Gegenargument konstruieren.

    ps. “Ich” als nondeiktische Neutrumsverwendung nachgucken. Funktioniert übrigens auch mit “Du”. Tolle Sache, das.
    pps. Definition von Ironie nachlesen.
    ppps. Wikipedia keine anerkannte Referenzquelle.

    Grotemson, May 17, 2011
  18. Verzeihung, ich hatte mich missverständlich ausgedrückt.

    Was ich meinte, war: “Ist es erlaubt, dass mir Bin Ladens Tod egal ist?” bzw. “Wenn mir Bin Ladens Tod egal ist, ist das dann erlaubt?”

    Cabuflé, May 18, 2011
  19. Noch einmal Konstantin Wecker:

    http://www.wecker.de/tagebuch.php?ide=185

    Der Titel mit den Jägern spielt vermutlich auf eines seiner älteren Stücke an, “Waidmannsheil”. Dort wiederum gibt es auch eine sehr schöne Zeile:

    “Alle Menschen werden Brüder, denn sie haben einen Feind.
    Wieder sind die Pharisäer in Wahrhaftigkeit vereint. ”

    Etwas schilchter hat übrigens die Hip-Hop Gruppe “Die Firma” in dem Stück “Kein Ende in Sicht” von 2002 (!) auch schon prophezeit: “Die USA wollen für Bin Laden sicher kein Verfahren.”

    Wenn die Paranoiker mit ihren Prophezeiungen recht behalten, sollte man sich da nicht Gedanken machen?

    Es soll ja inzwischen schon jemand auf Bin Ladens Posten nachgerückt sein, heißt es. Da mit seinem Namen noch niemand viel verbindet, wage ich mich auch einmal an eine düstere Prognose: Der wird auch erst frühestens in fünf, eher erst in 10 Jahren erschossen – auf jeden Fall erst dann, wenn er sich in unserer Hemisphäre als ordentlicher Bösewicht etabliert hat. Und wir Mal wieder was zum Jubeln brauchen.

    Sims Alabim, May 19, 2011
  20. @Grotemson
    pppps: Milch kaufen
    ppppps: Nicht wie ein wortfetischistischer Vogone alles so gottverdammt wörtlich nehmen und nur verstehen, wenn es in deine langweilige Auffassung von Philosophensprache gegossen ist.
    pppppps: -> Freude über Osamas Tod auch folgendermaßen verstehen: Freude über die positiven Folgen seines Verreckens

    @Sims:
    Woher weißt du, dass sie kein Verfahren wollten?
    Und wenn wir, wie Wecker, unsere gesamte Argumentation auf diesem dämlichen Schwarz-Weiß-Bild Westen gegen Orient aufbauen, was ist dann mit all den Pakistanern und Afghanen, die sich über jede Niederlage für die Islamisten freuen, weil sie selbst Familienmitglieder in Anschlägen verloren haben?
    Ich wage auch mal eine Prognose: Der Neue wird nie und nimmer auch nur ansatzweise die selbe Bedeutung erhalten, die Bin Laden hatte.

    Malibu Aircraft, May 19, 2011
  21. Ob sie ein Verfahren wollten oder nicht, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie ihn erschossen haben. Ohne Verfahren. Und dass das sozusagen dem entspräche, was man erwarten würde, wenn sie kein Verfahren wollten.

    Und was soll mit den Pakistanern und Afghanen sein?

    Sims Alabim, May 19, 2011
  22. Was ich meinte, war: “Ist es erlaubt, dass mir Bin Ladens Tod egal ist?” bzw. “Wenn mir Bin Ladens Tod egal ist, ist das dann erlaubt?”

    Ich würde nicht fordern, dass einen jeder Tod eines Menschen kümmert, ganz einfach, weil ich als naheliegendes Gegenargument sähe, dass uns per definitionem alle Tode, von denen wir nicht wissen, egal sind.(Was sich sicherlich durch eine genauere Konstruktion der Begrifflichkeit abwehren ließe). Also würde ich erstmal sagen (müssen), moralisch gesprochen, ist es erstmal erlaubt. Als Ideal menschlicher emotionaler Interdependenz dürfte die Forderung, dass einen die Tode, von denen man weiß, auch berühren, allerdings nicht zu hoch gesetzt sein.

    @Malibu
    Deine Eloquenz überzeugt mich mal wieder völlig.

    Grotemson, May 20, 2011
  23. tatsache ist, der mann hatte eine pornosammlung.

    http://www.huffingtonpost.com/2011/05/13/osama-bin-laden-porn_n_861664.html

    das gilt es zu bedenken…

    ein idiot mit internetanschluss, May 27, 2011

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